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Mittwoch, 19. Juni 2019

[ #gender ] Kostenlose Toolbox: "Handbuch zur Förderung von Gender Mainstreaming in der Kinder- und Jugendarbeit. Ideen und Werkzeug"


Die österreichische Bundesjugendvertretung versteht sich als eine Vorreiterin im Bereich Gender Mainstreaming und als eine diesbezügliche Servicestelle für ihre Mitgliedsorganisationen. 

Die österreichische Bundesjugendvertretung ist davon überzeugt, dass eine frühe Investition in Gender Mainstreaming-Aktivitäten im Bereich der non-formalen Bildung unerlässlich ist, da dies maßgeblich zu Chancengleichheit und zur Aufhebung der bestehenden Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern beitragen kann.

Die Toolbox "Handbuch zur Förderung von Gender Mainstreaming in der Kinder- und Jugendarbeit. Ideen und Werkzeug" wurde von der  Bundesjugendvertretung und ihren KooperationspartnerInnen Frauenhelpline, Verein poika sowie Verein Sprungbrett entwickelt und steht ab sofort den Mitgliedsorganisationen und interessierten PädagogInnen zur Verfügung. Das Ziel des Handbuchs ist es, reflektierende und geschlechtsbezogene Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zu unterstützen.

Die Toolbox ist in sechs Module gegliedert. Alle, die mehr über Gender Mainstreaming erfahren möchten, finden in den Kapiteln: "Gender Mainstreaming in der Bundesjugendvertretung" sowie "Allgemeine Informationen zum Thema Gender Mainstreaming in der Kinder- und Jugendarbeit" nützliche Informationen, wie Gender Mainstreaming in Kinder- und Jugendorganisationen implementiert werden kann.

Spielregeln. Das nächste Kapitel ist eine Einleitung zu "Spielregeln, Warm-ups und Reflexion" in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.

Praxis. Die vier anschließenden Praxisfelder sind das Kernstück dieses Handbuchs. Sie liefern Basisinformationen sowie Übungen für die Auseinandersetzung mit den folgenden Themen:  Rollenbilder, Lebensziele (Berufswahl und ihre Folgen), Geschlechtsspezifische Gewalt und Geschlechtergerechte Sprache. Jedes der vier Praxisfelder baut auf drei Elementen auf: Einführung ins Thema, Übungen für Kinder und Jugendliche sowie Weiterführende Literatur und Links.

"Reden wir mal drüber…". Der Bereich "Reden wir mal drüber…" enthält mehrere Zeitungsartikel zu genderrelevanten Themen und kann als Grundlage von Diskussionen oder Gruppenabenden benutzt werden.

Die  Bundesjugendvertretung möchte mit diesem Handbuch MultiplikatorInnen, PädagogInnen und Interessierten einen Einstieg in die Arbeit mit Gender Mainstreaming mit Kindern und Jugendlichen erleichtern und ihnen neue methodische Ideen vermitteln.

Download und Bestellung. Die Toolbox kann kostenlos unter office@jugendvertretung.at oder telefonisch unter 01/214 44 99 im  Bundesjugendvertretung-Büro bestellt werden.Außerdem gibt es hier eine Webversion der Toolbox.

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Lohnt sich ein Download? Ein schneller Blick auf den Inhalt:

Inhaltsverzeichnis
Einleitung    4
Gender Mainstreaming in der Bundesjugendvertretung    6
Allgemeine Informationen zum Thema Gender Mainstreaming
in der Kinder- und Jugendarbeit  11
Weiterführende Literatur     13
Spielregeln, Warm-ups, Reflexion - Einleitung ins Thema       14
Warm-Ups – Kennen-Lernen    15
Spielregeln – Wozu brauchen wir sie?       18
Reflexion     20
Schlussreflexion         22
MethodenvorschläGe
Lebensziele – Berufswahl und ihre Folgen - Einführung ins Thema      24
Übungen für Kinder und Jugendliche       26
Weiterführende Literatur und Links        31
Rollenbilder
Einführung ins Thema      32
Übungen für MutliplikatorInnen  33
Weiterführende Literatur und Links        41
geschLecherspezifische gewaLt
Einführung ins Thema      42
Übungen für Kinder und Jugendliche       48
Weiterführende Literatur und Links        61
geschLechtergerechter sprachgebrauch
Einführung ins Thema      62
Was ist sprachliche Gleichbehandlung?      63
Übungen für Kinder und Jugendliche       67
Weiterführende Literatur und Links        70
Unsere KooperationspartnerInnen  71
Weitere Inspirationen zum Thema: Reden wir mal d‘rüber… - Als Lego die Mädchen ins Abseits stellte. Wie zielgruppenspezifische Werbung klischeehafte Vorstellungen über Frauen und Zuwanderer reproduziert         72
Die zwei Lebensfragen einer Frau. Werbespots aus den 50ern bringen uns erstmal zum Schmunzeln – aber wo räumt die Werbung Frauen und Männer heute hin?     75
Es gibt mehr als zwei Geschlechter  77
Porträt: Mehr als ein Kinderbetreuer        79
Papa im Rock: Manchmal müssen Väter eben Vorbilder sein!      81
Warum kleine Mädchen Rosa und kleine Jungen Hellblau tragen. Die Verbindung von Farbe und Geschlecht hat sich im Lauf der Geschichte einmal komplett umgedreht      83
Studie widerlegt Mythen über Mädchen und Mathematik       85

Dienstag, 28. Mai 2019

[ #gender ] UN-Frauenrechtskonvention: CEDAW-Leitfaden für die Rechtspraxis


Das Übereinkommen CEDAW und sein internationales Mitteilungsverfahren. Nützliches und Wissenswertes für die Anwaltspraxis. Ein Leitfaden aus der Schweiz

Die Idee. Dieser Leitfaden will es Anwältinnen und Anwälten, Gerichten, Rechtsberatenden erleichtern, das Übereinkommen CEDAW in der juristischen Praxis zu nutzen. Er schafft Zugang zu relevanten Dokumenten, bereitet Informationen nutzungsgerecht auf, zeigt anhand konkreter Beispiele, wie das Übereinkommen die rechtliche Argumentation im Einzelfall unterstützen und ergänzen kann, zeigt die Möglichkeiten des internationalen Verfahrens der individuellen Mitteilung.
Service. Dies ist nur der Hinweis auf einen Beitrag eines hier verlinkten Weblogs, einer Website oder eines Downloads. Mehr erfährt man, wenn man den untenstehenden Links folgt!
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Mittwoch, 8. Mai 2019

[ #Diskriminierung ] Leitfaden für diskriminierungsfreie Sprache, Handlungen, Bilddarstellungen


Ziel des Leitfadens ist es, aufmerksam zu machen und zu sensibilisieren, damit Nichtdiskriminierung und nicht-klischeehaftes, vorurteilsloses Denken zum Alltag werden. Der ursprünglich im Jahr 2008 erstellte Leitfaden für einen nicht diskriminierenden Sprachgebrauch wurde 2010 um die Bereiche Handlungen und Bilddarstellungen erweitert.

In diesem Leitfaden werden daher einerseits diskriminierender Sprachgebrauch, diskriminierende Handlungen und stereotype Bildsprache gegenüber unterschiedlichen Personengruppen dargestellt und andererseits Anregungen gegeben, wie Diskriminierung vermieden bzw. differenzierte Bilddarstellungen vermehrt in den Vordergrund gerückt werden können. Bei den angeführten Beispielen handelt es sich nicht immer um Diskriminierungen im Sinne des Gleichbehandlungsrechts, sondern sie gehen darüber hinaus und zeigen Sprache, Handlungen und Bilddarstellungen auf, die als benachteiligend oder klischeehaft empfunden werden können.

Leitfaden (pdf., 96 S., 19.10.2010) für Diskriminierungsfreie Sprache, Handlungen, Bilddarstellungen in Bezug auf:
■ junge und alte Menschen
■ Menschen mit Behinderung
■ Frauen / Männer
■ Schwule / Lesben / Transgender
■ Migrant/innen und
■ Menschen mit einer anderen Religionszugehörigkeit / Weltanschauung


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Dienstag, 2. April 2019

[ #gender ] Gleichstellungspolitik kontrovers - Eine Argumentationshilfe


Mit der Verbreitung der Argumentationshilfe verbindet die Friedrich-Ebert-Stiftung  die Hoffnung, dass sie allen hilft, die im Tagesgeschäft, im fachlichen und persönlichen Gespräch auf die Mythen vom Ende der Frauenpolitik treffen, diese  im Sinne einer emanzipatorischen Geschlechterpolitik widerlegen können.
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Donnerstag, 1. März 2018

[ #gender ] Geschlechtergerechtigkeit und Arbeitszeit


In den vergangenen Jahrzehnten hat sich ein Familienmodell herausgebildet, das sich durch einen Vollzeit arbeitenden Mann und eine Teilzeit arbeitende Frau auszeichnet. 

Ein Artikel von Therese Wüthrich aus dem Schweizer Denknetz Jahrbuch.

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Donnerstag, 25. Januar 2018

[ #Gender] Care-Ökonomie - Privatisierung als Minenfeld für Genderpolitik?


Stärker als jedes andere Wirtschafts- und Arbeitsfeld ist Care Ökonomie, also die Ökonomie des (Ver)Sorgens und Pflegens, von asymmetrischen Geschlechterverhältnissen geprägt.

Frauenarbeit. Drei Viertel der Care-Arbeit werden weltweit von Frauen geleistet, unbezahlt oder zu vergleichsweise schlechten Bedingungen. Obwohl einer der gewichtigsten Wirtschaftssektoren, wird die Care-Ökonomie von der Mainstream-Lehre, wenn überhaupt, vorwiegend als Kostenproblem angesehen.
Die junge Soziologin spricht über transnationale Care-Ketten von der Ukraine über Polen in die Schweiz und über ihre Erwartungen an die WIDE-Jahreskonferenz 2009, wo sie einen Workshop zum Thema leitete.
Krisenszenario. Angesichts wachsender Armut und Ernährungsunsicherheit, aber auch im Zusammenhang neoliberaler Globalisierungs- und Privatisierungsprozesse werden Care Krisen immer offensichtlicher. Umso mehr ist ein genauer Blick auf die Dynamiken zwischen Geschlecht, Ökonomie und Entwicklung gefordert: Wer leistet aktuell die unabdingbare und nicht weg zu rationalisierende Care Arbeit unter und zu welchen Bedingungen? Wie beeinflussen örtliche und soziale Verschiebungen der bezahlten und unbezahlten Care Arbeit die Geschlechterdynamik? Wie verhält sich der Care Sektor zu anderen Wirtschaftssektoren, wie die Care Krise zur Finanzkrise und zur Ernährungskrise? Wie bedingen sich Geschlechterungleichheit und aktuelle Care Regimes? Welche Konzepte und Projekte haben Feministinnen entwickelt um Gleichheit und Gerechtigkeit in der Verteilung der Arbeit und im Zugang zu Care zu erreichen? Welche Fragen und Forderungen gingen im Zuge des Gender Mainstreamings verloren und müssen wieder aufgegriffen werden?

WE CARE! Feministische Antworten auf die Care Krisen: Der umfangreiche Bericht der WIDE Jahreskonferenz 2009, 18-20 Juni an der Universität Basel, in Basel Care Ökonomie und Care Krisen steht als Download zur Verfügung.

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Freitag, 8. Dezember 2017

[ #Familie ] Protestanten einen mutigen Schritt weiter: Die neue Familie

Ein mutiger Schritt der deutschen evangelischen Kirche.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) in Berlin hat eineneue Orientierungshilfe zum Thema Familie publiziert. Sie steht als PDF-Und HTML-Version online.  Kath.net ein konservatives österreichisches (schweizerisch/liechtensteinisches) Online-Magazin im Geiste der Gegenreformation schimpft und hofft auch gleich, dass das Papier "ein weiterer Schritt der evangelischen Kirche in Richtung Beliebigkeit – und damit in die Bedeutungslosigkeit" sei.

Die schnöden fundamentalen Bibelzitatsammler haben hundert Einwände gegen das neue EKD-Paper und sehen die Ehe als göttliche Institution in Gefahr. Dass solches Denken schon allein eine Blasphemie ist - denn wie sollte eine "göttliche Institution" je in Gefahr sein, lassen sie dabei offen. Dass sich nicht nur die Welt, das Weltbild sondern auch die Beziehungsmuster verändert haben, das wollen diese katholischen Bibelexegeten nicht (ein)sehen, sie sind im Besitze der biblischen Wahrheit und damit steht sie über der Wirklichkeit.

Das Evanglische Ratspapier hingegen siedelt die Familie dort an wo sie realiter ist, nämlich ständig "Zwischen Autonomie und Angewiesenheit". Dabei meint sie mit Familie keineswegs nur Vater + Mutter + Kind. Überspitzt formuliert könnte man der konservativen gegenreformatorischen Kritik auch sagen, dass die evangelische Orientierungshilfe auch die  katholischen Pfarrerhaushalte als vollwertige Familie mit einbezieht.


Die Kernaussagen der Orientierungshilfe:

Zwischen Autonomie und Angewiesenheit - Familienleben heute. „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei.“ Bereits in den ersten Kapiteln der Bibel wird deutlich, dass Menschen zur Gemeinschaft bestimmt und auf Liebe, Fürsorge, Erziehung und Pflege angewiesen sind. Gleichzeitig gehört der Wunsch nach Erkenntnis, Entdeckung, nach Entwicklung und Eigenständigkeit konstitutiv zum Menschsein. In der Ambivalenz von Angewiesenheit und Autonomie wird Familienleben erfahren. Ehe, Partnerschaft, Verantwortung für Kinder, Pflegebedürftige und Kranke werden geprägt durch Bildungsprozesse, die Bedingungen des Erwerbslebens und die gesellschaftliche Gestaltung von Lebensrisiken. Um eine evangelische Verständigung über Ehe, Familie und Partnerschaft zu versuchen, geht es zunächst um eine Ortsbestimmung. Dabei fallen aktuelle Trends in Familienleben und Partnerschaftsverhalten auf: die spätere Familiengründung und der Rückgang von Eheschließungen, die Vervielfältigung von Familienformen, das Auseinanderdriften der sozialen Lebenslagen und die steigende Kinderarmut, schließlich gibt es mehr Familien mit Migrationshintergrund.

Familie und Ehe im Wandel. Eine breite Vielfalt von Familienformen ist, historisch betrachtet, der Normalfall. Die bürgerliche Familie als Ideal entwickelte sich erst im 18. Jahrhundert durch die Trennung von männlicher Erwerbswelt und weiblicher Familiensphäre mit Haushalt und Kindererziehung. Dieses Ideal setzte sich zunächst langsam und erst nach dem Zweiten Weltkrieg in der Bundesrepublik als Lebensform für alle durch. Die DDR dagegen erhob die gleichberechtigte Ehe mit zwei in Vollzeit erwerbstätigen Eltern zum Leitbild und nahm dabei die Familie für die Erziehung der Kinder zur „sozialistischen Persönlichkeit“ gesetzlich in die Pflicht. In Westdeutschland zeigte sich nach der Einführung der verfassungsmäßig garantierten Gleichberechtigung eine wachsende Spannung zwischen der Gleichberechtigung der Frau und dem institutionellen Schutz von Ehe und Familie. Dabei war das Leitbild der bis 1977 gesetzlich geschützten so genannten Hausfrauenehe die Grundlage des Steuer- und Sozialversicherungsrechts. Die Hauptlast der Hausarbeit lag aber trotz der unterschiedlichen Ehe- und Familienkonzeptionen in beiden deutschen Staaten bei den Frauen, auch wenn es in der DDR quantitativ ausreichende Kinderbetreuung gab. Seit dem 19. Jahrhundert kritisierten die Frauenbewegungen die ungleiche Rechtsposition insbesondere der Mütter; damit haben sie schließlich wesentlich zum rechtlichen Wandel in Ehe und Familie beigetragen.

Verfassungsrechtliche Vorgaben und Leitbilder von Ehe und Familie. Die weitreichenden Änderungen im Familienrecht der letzten Jahre folgen einerseits dem Strukturwandel der Familie und tragen der neuen Vielfalt der Familienformen Rechnung, andererseits geben sie Regelungen vor, die der gesellschaftlichen Wirklichkeit vorauseilen. Die nachhaltigste Veränderung ist die Anerkennung eines erweiterten Familienbegriffs, die nicht nur die traditionelle Kleinfamilie, sondern auch alternative Lebensformen unter den institutionellen Schutz des Art. 6 Grundgesetz stellt. Ausschlaggebend hierfür ist einerseits das Kindeswohl, andererseits die Gleichberechtigung aller Mitglieder der Familie, die nun neben Frauen auch Kinder einbezieht.

Theologische Orientierung. Angesichts der Vielfalt biblischer Bilder und der historischen Bedingtheit des familialen Zusammenlebens bleibt entscheidend, wie Kirche und Theologie die Bibel auslegen und damit Orientierung geben. Ein normatives Verständnis der Ehe als „göttliche Stiftung“ und eine Herleitung der traditionellen Geschlechterrollen aus der Schöpfungsordnung entsprechen nicht der Breite des biblischen Zeugnisses. Wohl aber kommt bereits in der Schöpfungsgeschichte zum Ausdruck, dass Menschen auf ein Gegenüber angewiesen sind, an dem sich die eigene Identität entwickelt. In diesem Sinne ist die Ehe eine gute Gabe Gottes, die aber, wie das Neue Testament zeigt, nicht als einzige Lebensform gelten kann. Die den Kindern Gottes zugesagte gleiche Würde jeder und jedes Einzelnen jenseits von Geschlecht und Herkommen und die erfahrbare Gemeinschaft in Christus in all ihrer Unterschiedlichkeit fordert die vorfindlichen Ordnungen immer neu heraus. Deswegen versteht die Reformation die Ehe als „weltlich Ding“; sie ist kein Sakrament, sondern eine Gemeinschaft, die unter dem Segen Gottes steht. Ihre Aufgabe besteht in der Bewahrung und Weitergabe des Lebens in den vielfältigen Formen der Sorge für andere über die Generationen hinweg. Die kirchlichen Segenshandlungen sind ein Zeichen für liebevolle Zuwendung, für Kontinuität und immer neue Aufbrüche im Bund Gottes mit seinem Volk und damit eine Ermutigung, in allen Veränderungen einen gemeinsamen Weg zu wagen. Angesichts von Brüchen und Versagen sind sie zugleich Ausdruck der Rechtfertigung des Menschen allein aus Gnade. Protestantische Theologie unterstützt das Leitbild der an Gerechtigkeit orientierten Familie, die in verlässlicher und verbindlicher Partnerschaft verantwortlich gelebt wird.

Herausforderungen und Brennpunkte der Familienpolitik. Familien sind sinnstiftender Lebensraum und Orte verlässlicher Sorge. In Familien werden unverzichtbare Leistungen für Gesellschaft und Wirtschaft erbracht und sozialer Zusammenhalt gestiftet. Sie stehen nach wie vor an erster Stelle, wenn Menschen in Notlagen geraten. Andererseits werden Familien auch vor neue gesellschaftliche Erwartungen und Anforderungen gestellt und fühlen sich zum Teil erheblich überfordert. Alle Familien sind deshalb darauf angewiesen, dass ihre Leistungen und ihre Bedeutung für die Gesellschaft anerkannt und unterstützt werden.

Zeit füreinander - Alltag und Fest. Gemeinsame Zeit in der Familie entsteht nicht von selbst, sondern muss aktiv von den Familienmitgliedern „hergestellt“ werden. Erwerbsarbeitszeit, Schule und Unterricht, Freizeit, Sport und ehrenamtliches Engagement finden in unterschiedlichen Rhythmen und zu unterschiedlichen Zeiten statt, stellen verschiedene Ansprüche an die Einzelnen und können miteinander kollidieren. Familien brauchen aber gemeinsame Zeit, um sich als zusammengehörig zu erfahren. Gemeinsame Feiern, Feste und Rituale stützen und stärken den Zusammenhalt. Unverzichtbar ist der Sonntag als gemeinsamer erwerbs-, schul- und einkaufsfreier Tag, an dem für Gottesdienst, Gemeinsamkeit und Muße Zeit ist.

Erwerbsarbeit und Sorgetätigkeiten in der Familie. Die Gleichzeitigkeit von Erwerbsarbeit und familiärer Sorge wird vor allem als Problem der Kinder und ihrer Mütter wahrgenommen. Erst in jüngster Zeit sind familienfreundliche Arbeitszeiten auch ein Thema für Väter. Die Zunahme der Mütter-Erwerbstätigkeit geht vor allem auf eine Zunahme von Teilzeitarbeit und prekärer Beschäftigung zurück; das Erwerbsarbeitsvolumen von Frauen hat dagegen nicht zugenommen.Gleichwohl hat das zumindest in Westdeutschland lange vorherrschende männliche Ernährermodell an Dominanz eingebüßt und ist durch vielfältige Arrangements abgelöst worden: das Ernährermodell mit der zuverdienenden Partnerin, zwei in Vollzeit erwerbstätige Elternteile, aber auch Frauen als Familienernährerinnen, insbesondere im Falle der Alleinerziehenden. Unabhängig davon, wie viele Stunden Frauen erwerbstätig sind, obliegt ihnen in jedem Fall die Hauptlast der Haus- und Sorgearbeit. Zwar hat der technische Fortschritt die Hausarbeit zum Teil erleichtert und verändert, doch ist das Stundenvolumen gleich geblieben. Haus-, Erziehungs- und Pflegearbeit in der Familie sind vor allem durch persönliche Beziehungen geprägt und nicht gleichermaßen von bezahlten Kräften leistbar. Wo das dennoch geschieht, handelt es sich häufig um Schwarzarbeit oder prekäre Beschäftigungsverhältnisse, in denen Hausarbeit auf andere Frauen, meistens Migrantinnen, verlagert wird.

Erziehung und Bildung. Die gesellschaftlichen Debatten über Bildung und Erziehung verändern sich: Galt bis vor Kurzem in Westdeutschland noch die Devise, dass Erziehung in der Familie stattfinde, der Kindergarten für ergänzende Betreuung zuständig sei und mit dem Schuleintritt der Bildungsweg beginne, so werden diese Zuordnungen heute grundlegend in Frage gestellt. Familien begegnen mehr denn je dem Anspruch, die Bildungsfähigkeit der Kinder zu verbessern, den Grundstein für qualifizierte Ausbildungen und Studienabschlüsse zu legen sowie für eine bessere Verwendbarkeit auf dem Arbeitsmarkt („employability“) zu sorgen. Dabei ist Bildung, wie Studien belegen, gerade in Deutschland nach wie vor von der sozialen Herkunft abhängig. Als einer der großen Bildungsträger kann die evangelische Kirche Familien bei der Erziehung im Hinblick auf Wertorientierungen und Identitätsbildung entscheidend unterstützen und Orientierungen bieten.

Generationenbeziehungen und Fürsorglichkeit. Familien sind Übungsstätten für soziales Lernen und bilden ein Netzwerk der Unterstützung zwischen den Generationen. Sie fördern die Weitergabe von Erfahrungen und begleiten die kommenden Generationen auf ihrem Weg ins Leben. In vielen Fällen bieten sie bei Krankheit und Pflegebedürftigkeit nach wie vor Fürsorglichkeit und paktische Hilfe an. Trotz zunehmender Mobilität ist die wechselseitige familiäre Generationensolidarität, die sich auch in finanziellen Transfers von den Älteren an die Jüngeren ausdrückt, ungebrochen. Kinder schätzen ihre Eltern und Großeltern und erfahren von ihnen vielfältige Unterstützung und umgekehrt.

Häusliche Pflege. Pflegebedürftige werden immer noch überwiegend in Familien gepflegt. Dabei übernehmen Frauen ganz überwiegend diese Aufgabe. Angesichts des knapper werdenden familiären Pflegepotenzials - nicht zuletzt aufgrund von Veränderungen in der Arbeitswelt und des gesellschaftlichen Wandels - wachsen die Herausforderungen an die Sozialsysteme, wird ein weiterer Ausbau der pflegerischen und hauswirtschaftlichen Dienstleistungsangebote notwendig sein. Gleichzeitig ist die Verbesserung der kommunalen und nachbarschaftlichen Netze und eine Nahversorgung mit Produkten und Dienstleistungen des täglichen Lebens erforderlich, um den Verbleib in der eigenen Wohnung möglichst lange zu erhalten.

Gewalt in Familien. Gewalt in der Familie war bis in die 1980er Jahre tabuisiert, für sexuelle Gewalt an Kindern galt das bis in die jüngste Gegenwart. Das Ideal der Familie war geprägt vom Bild einer harmonischen, gewaltfreien Beziehung. Gewalt in der Familie ist jedoch die am meisten verbreitete Form von Gewalt und tritt als körperliche, psychische und sexuelle Gewalt oder auch als Vernachlässigung in Erscheinung. Betroffen von allen Formen sind Kinder (Jungen und Mädchen) und Frauen. Aber auch Männer erfahren Gewalt, allerdings ist deren Gefährdung außerhalb der Familie höher als bei Frauen, die Gewalt überwiegend im häuslichen Bereich erleben. Besonders problematisch sind Gewalterfahrungen von Kindern in der Familie, weil sie auf die Familie angewiesen und der Situation besonders hilflos ausgesetzt sind. Die Gefahr, dass noch Erwachsene eine solche Gewalterfahrung, die sie als Kinder nicht verlassen konnten, an die nächste Generation weitergeben, ist deshalb groß. Lange übersehen wurde, dass auch in der Pflege Gewalt erfahren wird - von Pflegebedürftigen wie von Pflegenden.
                           
Migration und Familienkulturen. Migration gehört zu den Erfahrungen jeder Zeit und Generation, schon biblische Geschichten berichten davon. Entscheidend ist, wie Einheimische und Zugewanderte ihr Zusammenleben gestalten. Das Ankommen in einer neuen Gesellschaft ist ein Generationenprojekt, das Migrantenfamilien dazu herausfordert, eine neue Balance von Herkunfts-Kultur und neuen kulturellen Einflüssen zu finden, um heimisch zu werden. Herausgefordert ist auch die einheimische Gesellschaft mit ihren kulturellen und religiösen Traditionen, mit ihren Familienbildern und Erziehungsstilen. Bikulturelles Aufwachsen bietet die Chance, Rituale und Lebensdeutungen unterschiedlicher Kulturen und religiöser Lebenszusammenhänge verstehen zu können und sich - bei allen Spannungen, die auch damit verbunden sind - auf die Suche nach einer eigenen kulturellen Identität und gestalteten Religiosität zu begeben. Gerade das Zusammenleben mit anderen Religionen erinnert die säkularisierte Gesellschaft erneut an die religiöse Prägung der Lebenszusammenhänge - von den Alltagsritualen wie Tisch- und Abendgebeten bis zu Hochzeiten und Beerdigungen.

Reichtum und Armut von Familien. Kinder zu erziehen erhöht statistisch gesehen das Armutsrisiko. Auch die sozialpolitischen Transfers können dieses Risiko nicht beseitigen, da sie die betroffenen Familien nicht zielgenau erreichen. Armut ist allerdings weit mehr als das Fehlen materieller Ressourcen. In armen Familien reduzieren sich auch die Bildungschancen der Kinder, die gesundheitliche Versorgung ist ungenügend, die sozialen Netze sind kleiner, die Angebote im Wohnquartier schlechter: Armut bedeutet geringere Teilhabe und geringere soziale Ressourcen. Insofern geht es bei der Armutsprävention nicht nur um Verteilungs-, sondern auch um Befähigungs- und Teilhabegerechtigkeit.

Familienpolitik als neue Form sozialer Politik. In der international vergleichenden Familienforschung und Sozialpolitik hat ein Perspektivenwechsel die besondere Bedeutung von Familien als wesentliche Faktoren allgemeiner Wohlfahrt und des gesellschaftlichen Reichtums hervorgehoben. Damit wurde einerseits offenbar, dass der westdeutsche Sozialstaat mit seinem tradierten Familienbild eine nachhaltige Familienpolitik versäumt hat, andererseits ist deutlich geworden, dass verlässliche Sorgearbeit für die vorangegangene und die nachkommende Generation einen wichtigen, bislang nicht ausreichend berücksichtigten Beitrag zum Bruttosozialprodukt leistet. Der Familie als gesellschaftlicher Institution kommt dabei für die Weitergabe des Lebens und den sozialen Zusammenhalt nach wie vor eine zentrale und unverzichtbare Rolle zu.

Wie Kirche und Diakonie Familien stark machen können. Kirche ist nach wie vor eine wichtige Ansprechpartnerin für Familien. Mit ihren Kasualien, Festen und Feiern begegnet sie Familien in Übergangssituationen, mit ihren Tageseinrichtungen für Kinder, Jugendtreffs und Schulen bietet sie Orte für Bildung, Erziehung und Begegnung, mit ihren diakonischen Diensten begleitet sie Familien in Krisensituationen. Dabei haben Gemeinden, Diakonie und Verbände oft ganz unterschiedliche Gruppen und Familien im Auge. Eine Zusammenarbeit von Kirche und Diakonie, die gemeinsame Entwicklung von Leitbildern und Angeboten und eine verstärkte Zusammenarbeit mit dritten Partnern in der Region sind deshalb unbedingt notwendig. Darüber hinaus sollten Kirchengemeinden ihre generationenübergreifende Arbeit bewusst ausbauen und die Gemeindezentren als Orte erlebten zivilgesellschaftlichen Engagements und erlebter Gemeinschaft gestalten. Angesichts des Strukturwandels von Familien haben Gemeinden und Familienzentren eine wachsende Bedeutung auch für die religiöse Erziehung und die Weitergabe des Glaubens.


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Inhalt
Vorwort   7
1. Zusammenfassende Thesen11
2. Zwischen Autonomie und Angewiesenheit –
Familienleben heute  20
3. Familie und Ehe im Wandel  31
4. Verfassungsrechtliche Vorgaben und Leitbilder
von Ehe und Familie im Familienrecht heute 43
5. Theologische Orientierung.54
6. Herausforderungen und Brennpunkte der
Familienpolitik.72
6.1 Zeit füreinander – Alltag und Fest 73
6.2 Erwerbsarbeit und Sorgetätigkeiten in der Familie 77
6.3 Erziehung und Bildung87
6.4 Generationenbeziehungen und Fürsorglichkeit97
6.5 Häusliche Pflege 103
6.6 Gewalt in Familien  107
6.7 Migration und Familienkulturen 115
6.8 Reichtum und Armut von Familien 119
7. Familienpolitik als neue Form sozialer Politik 125
8. Wie Kirche und Diakonie Familien stark machen können 132
9. Empfehlungen 141
Literaturhinweise 153
Mitglieder der Ad-hoc-Kommission 160

[ #gender ] Gender-Pay-Gehaltsrechner: Mehr Einkommenstransparenz

Die Statistik Austria hat im Auftrag des Bundeskanzleramtes/Bundesministerin für Frauen und öffentlichen Dienst einen Gehaltsrechner entwickelt, um die Einkommenstransparenz zu erhöhen.

Der als Web-Applikation konzipierte Gehaltsrechner ermöglicht Nutzerinnen und Nutzern nach der Eingabe verschiedener Merkmale wie dem Alter und der Ausbildung der beschäftigten Person, der detaillierten Branche etc. jeweils die durchschnittlichen Bruttomonatsverdienste und den jeweiligen Einkommensnachteil von Frauen in Prozent zu berechnen.

Im Gehaltsrechner sollen für Beschäftigungsverhältnisse, die durch verschiedene Merkmale wie Alter, Beruf, Branche etc. der beschäftigten Person bestimmt sind, jeweils die durchschnittlichen Bruttomonatsverdienste berechnet werden. Als Grundlage dient ein eigens von Statistik Austria erstellter Datensatz, der die gewünschten Merkmale enthält und auch den Anforderungen hinsichtlich Aktualität und Aktualisierungsmöglichkeit, Qualität sowie Abdeckung der Grundgesamtheit entspricht.

Der Datensatz besteht aus Daten des Mikrozensus, der Lohnsteuer sowie des Hauptverbandes der österreichischen Sozialversicherungsträger für die Bezugsjahre 2012, 2013 und 2014. Um die Ergebnisse des Gehaltsrechners möglichst zeitnah darstellen zu können, wurden die Einkommenswerte des Ausgangsdatensatzes anhand branchenspezifischer Informationen aus dem Tariflohnindex (TLI 06) – der die Entwicklung der kollektivvertraglichen Mindestlöhne in Österreich misst – auf das Bezugsjahr 2015 fortgeschrieben.

Die Lohnsteuerdaten enthalten Informationen über die Jahreslöhne und -gehälter aller unselbständig Erwerbstätigen in allen ÖNACE 2008-Abschnitten und bilden somit die gesamte Wirtschaft ab.

Aus den Daten des österreichischen Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger wird für den Gehaltsrechner vor allem die Dauer der Beschäftigungsverhältnisse herangezogen, um damit aus dem Bruttojahreseinkommen ein Bruttomonatseinkommen berechnen zu können.

Der österreichische Mikrozensus stellt die zentrale Quelle für die unabhängigen Variablen dar, die die Höhe des Bruttomonatsgehalts (abhängige Variable) beeinflussen. Bei allen drei Datenquellen ist eine jährliche Aktualisierung möglich und eine Abdeckung aller Branchen gegeben.

Der verknüpfte und geprüfte Datensatz umfasst Informationen zu 75.788 Bruttomonatseinkommen von 54.014 Personen und repräsentiert die Grundgesamtheit der unselbstständig Erwerbstätigen (ohne Lehrlinge), deren Wohn- und Arbeitsort in Österreich liegt.



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Samstag, 19. August 2017

[ #gender ] Frauenrechte ohne Emma: Mütter des deutschen Grundgesetzes

„Männer und Frauen sind gleichberechtigt.“ – mit der klaren Formulierung des Artikels 3 Absatz 2 hatte das deutsche Grundgesetz 1949 Maßstäbe gesetzt. 



Im Parlamentarischen Rat, der dieses Grundgesetz vorbereitet und beschlossen hat, waren – 30 Jahre nach Einführung des aktiven und passiven Wahlrechts für Frauen in Deutschland – nur vier Frauen vertreten.


Ohne ihr Engagement hätte es Artikel 3 in dieser Form nicht gegeben! Die Ausstellung „Die Mütter des Grundgesetzes“ besteht aus 16 Tafeln, die über Helene Weber, Elisabeth Selbert, Frieda Nadig und Helene Wessel informieren und eine historische Einordnung vornehmen. Die Ausstellung ist in einer interessanten Begleitbroschüre dokumentiert. Die Publikation gibt einen Einblick in die Ausstellung "Die Mütter des Grundgesetzes". Sie kann als PDF heruntergeladen werden.

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Dienstag, 25. Juli 2017

[ #Inclusion ] Politik-Hotspot: Kommunaler Index für Inklusion für Organisationen und Einrichtungen

Die Idee, den Index für Schulen auf die Arbeit im Gemeinwesen anzuwenden, kommt aus dem britischen Suffolk: Dort hat man ein Handbuch entwickelt, um inklusives Handeln in allen kommunalen Bereichen umzusetzen.

Diese Initiative wurde für den deutschsprachigen Raum mit diesem Arbeitsbuch aufgegriffen, um Mitglieder aller Arten von Einrichtungen zu unterstützen, unter aktiver Beteiligung aller inklusives Handeln anzustreben und sich an dieser gemeinsamen Leitidee zu orientieren.
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Dienstag, 27. Januar 2015

[ #arbeit&wirtschaft ] Fehlanreize: Frauen im Minijob

Motive und (Fehl-)Anreize für die Aufnahme geringfügiger Beschäftigung im Lebenslauf.

Geringfügige Beschäftigung ist ein Instrument, welches den Einsatz von Arbeitskräften flexibel machen, Schwarzarbeit abbauen sowie Arbeitslosen und der sogenannten „Stillen Reserve“ einen leichten Wiedereinstieg in den Beruf ermöglichen sollte.
"Chancengerechtigkeit für Frauen und Männer ist in unserer Gesellschaft des langen Lebens, in einer pluralistischen Gesellschaft nachhaltig und damit glaubwürdig nur zu erreichen, wenn die kurz- und langfristigen Folgen individuell und partnerschaftlich getroffener Entscheidungen konsequent bedacht werden und Politik dafür Sorge trägt, dass Chancen und Risiken dieser Entscheidungen im Lebensverlauf nicht strukturell ungleich zwischen den Geschlechtern verteilt sind."
Dem Anspruch, eine Brücke in eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung zu sein, werden die „Minijobs“ aber selten gerecht. 

Dies zeigt die aktuelle Studie „Frauen im Minijob“, die vom DELTA-Institut im Auftrag des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend erstellt wurde. Die wichtigsten Motive für den Einstieg ein den Minijob sind die flexiblen Arbeitszeiten und die geringe Stundenzahl. Minijobs entwickeln jedoch – branchenunabhängig – ausgeprägte Klebeeffekte. Frauen im Minijob machen die Erfahrung, dass sie – auch mit einer qualifizierten Berufsausbildung – bei dauerhafter Tätigkeit im Minijob nicht mehr als qualifizierte Fachkraft gelten.

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Lohnt sich ein Download? Ein schneller Blick auf das Inhaltsverzeichnis:

I. Einführung 5
II. Zentrale Ergebnisse   16
III. Minijobs im Lebenslauf von Frauen  20
 3.1 Minijob als Brücke in eine existenzsichernde Beschäftigung? 20
  Erwerbsverläufe im Minijob und danach 20
  Schnell wirkender und fest haftender Klebeeffekt   24
  Brancheneffekte   29
  Einstiegsmotive und Bleibeanreize 31
  Beschäftigungsumfang  36
  Erfahrungen von Frauen mit früherer Tätigkeit im Minijob pur  37
 3.2 Minijobs im Lebenslauf: Chance oder Risiko? 41
   Bewertung des Minijobs von Frauen in Bezug auf ihre Alterssicherung 41
  Familienstand und die Rolle des Partners 46
 3.3 Minijob-on-top: Studium&Minijob, Job&Minijob, Rente&Minijob   53
IV. Weitere gleichstellungspolitisch relevante Ergebnisse   59
 4.1  Gewährung und Beanspruchung arbeits- und sozialrechtlicher Leistungen.59
 4.2 Schwarzarbeit – Einschätzungen von Frauen im Minijob 60
 4.3  Arbeitsbedingungen und Arbeitgeberperspektive: Einschätzungen der Frauen
im Minijob   63
 4.4 SGB-II („Hartz IV“)-Aufstockung? 66
 4.5 Frauen mit Migrationshintergrund im Minijob 67
 4.6 Soziodemografische Strukturen.70
V. Erkenntnisse anderer Untersuchungen 78
 5.1 Diagnosen.78
 5.2 Reformvorschläge  82
VI. Fazit   83
VII. Anhang 88
 7.1 Untersuchungsanlage 88
 7.2 Historie gesetzlicher Regelungen zu Minijobs 89
 7.3 Literatur und Quellen 93

Freitag, 23. Januar 2015

[ #Budgetpolitik ] Gender Budgeting in der Verwaltung

Eine konkrete anwendungsorientierte Hilfestellung für die Umsetzung von Gender Budgeting in der Verwaltung soll diese Arbeitshilfe bieten. Sie soll dazu beitragen die unterschiedlichen Auswirkungen der öffentlichen Einnahmen und Ausgaben auf Frauen und Männer zu ermitteln. Dadurch sollen Auswirkungen auf Geschlechterverhältnisse offengelegt, Prioritäten verändert und Mittel umverteilt werden. Ziel ist die Erstellung eines geschlechtssensiblen und geschlechtergerechten Haushaltes.

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Lohnt sich ein Download? Ein Blick auf das Inhaltsverzeichnis:
Einleitung und Lesehilfe 5
1 Einführung in Gender Budgeting 7
1.1 Umsetzung von Gender Budgeting in Österreich 7
1.2 Rechtsgrundlagen 8
2 Schritte im Gender Budgeting-Prozess  10
2.1 Klassifizierung von Ausgabenposten nach Gleichstellungsrelevanz 12
2.2 Festlegung von Gleichstellungszielen und -indikatoren 15
2.3 Ist-Analyse von Verteilungseffekten 17
2.3.1 Direkte Transfers – Nutzungsinzidenzanalyse 19
2.3.2 Indirekte Transfers – Förderungen von Institutionen22
2.3.2 Mittelvergaben mit weiteren indirekten Effekten auf die Gleichstellung 25
2.4 Bewertung von Gleichstellungswirkungen  27
2.5 Ableitung der Konsequenzen 30
Exkurs: Daten und Statistiken 32
3 Executive Summary 36
Anhang – Quellen 39
Allgemeine Informationen zu Gender Budgeting  39
Beispiele zu Gender Budgeting 41
Geschlechterdifferenzierte Daten und Statistiken  44
Weiteres Material zu Gender Budgeting im Internet .44

Samstag, 16. August 2014

[ #gender ] Gender-Tool: Praxis-Ratgeber Einkommensbericht

Die Novelle mit der Auflage zur Erstellung eines Einkommensberichtes zum österreichischen Gleichbehandlungsgesetz ist bereits am 1. März 2011 in Kraft getreten und entfaltet besondere Wirkung ab 2014
. 
Mit dieser Novelle wurde Österreich neben Schweden mit einer gesetzlichen Verankerung von innerbetrieblichen Einkommensberichten Vorreiter in der Europäischen Union. Die Novelle beinhaltet unter anderem eine Verpflichtung zur Erstellung eines Einkommensberichts für Unternehmen ab einer bestimmten Größe. Auch wenn vorerst erst Unternehmen mit 1000 Arbeitnehmern einen solchen Bericht erstellen müssen, ist die Situation doch schon in drei Jahren so, dass auch Betriebe mit 150 Mitarbeitern einen solchen Bericht zu erstellen haben. Es ist also tunlich, sich bereits heute damit zu beschäftigen. Für Betriebsräte und Personalvertreter gilt dies sowieso.

Stufenplan für die Erstellung eines Einkommensberichtes:
  • ab 2011 Unternehmen mit mehr als 1.000 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, 
  • ab 2012 Unternehmen mit mehr als 500 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern, 
  • ab 2013 Unternehmen mit mehr als 250 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern und 
  • ab 2014 Unternehmen mit mehr als 150 Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern für das Jahr 2013!
Leitfaden und Praxisratgeber zur Erstellung eines Einkommensberichts. Um den Unternehmen die Erstellung des Einkommensberichts für Arbeiterinnen und Arbeiter sowie Angestellte zu erleichtern, stellte das Frauenstaatssekretariat  bisher einen beispielhaften Leitfaden als Angebot zur Verfügung.  Neu ist ein Praxis-Ratgeber. Er gibt einen Überblick über die verschiedenen Stationen beim Erstellen und Analysieren des Einkommensberichts. Zahlreiche Tipps aus der Praxis sollen dabei helfen, einen informativen und griffigen Einkommensbericht zu erstellen.

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Dienstag, 22. Juli 2014

[ #gender ] Maskulismus: Neuer Antifeminismus zwischen Salonfähigkeit und Frauenhass

Eine aktuelle Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung, Berlin.

Während im Bereich der institutionalisierten Politik männerpolitische Funkstille herrscht, wird die Auseinandersetzung in der Zivilgesellschaft umso lauter und emotionaler geführt.  Die politische Bandbreite ist erheblich: Männerpolitische Akteure und Akteurinnen von progressiv über konservativ bis reaktionär ringen um Deutungshoheit, einige von ihnen in produktivem Austausch mit Feminist/-innen, andere in offener bis hasserfüllter Konfrontation.

Die Akteure und Akteurinnen scheiden sich nicht nur an der Frage, ob Frauen in dieser Debatte als Verbündete im Kampf gegen starre Rollenbilder oder als „der Feind“ zu betrachten sind, sondern auch an der noch grundsätzlicheren Frage, was Männlichkeit (und Weiblichkeit) eigentlich ausmacht. Problematischerweise sind es gerade die dezidiert frauenfeindlichen Stimmen, die sich besonders aggressiv Gehör verschaffen. Diese Akteure und Akteurinnen vertreten die Ansicht, die Geschlechterhierarchie habe sich längst ins Gegenteil verkehrt und es seien heute die Männer, die benachteiligt würden. Ihre Identitätsfindung geschieht in harter Abgrenzung zum „Weiblichen“ und ihr Ziel ist eine Politik, die jegliche Aktivitäten der Frauenförderung einstellt, um sich endlich um die „wahren Opfer“ der Geschlechterverhältnisse zu kümmern: die Männer.

Es gelingt ihnen immer öfter, das Stimmungsbild in den Online-Foren großer Medien zu dominieren. Sobald ein Beitrag über geschlechterpolitisch umkämpfte Themen wie die Frauenquote in Aufsichtsräten erscheint, tobt im Diskussionsforum ein Sturm der Entrüstung. Profeministische und moderatere Stimmen verstummen angesichts dieses Shit-Storms, sodass es für den unbedarften Leser oder die unbedarfte Leserin aussieht, als handele es sich bei diesen „Ausfällen“ um die herrschende Meinung.

Autor.  Robert Claus, Jahrgang 1983, Magister der Europäischen Ethnologie und Gender Studies. Er studierte in Berlin, Buenos Aires und Istanbul. Seine Forschungsschwerpunkte sind Rechtsextremismus, Gender, Rassismus, Männlichkeiten, Subkulturen, Fußball, Migration und soziale Inklusion. Er arbeitet an der „Kompetenzgruppe Fankulturen und Sport bezogene Soziale Arbeit“ an der Leibniz Universität Hannover sowie als Lehrbeauftragter an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er ist Mitglied im bundesweiten Netzwerk „Männlichkeiten, Migration und Mehrfachzugehörigkeiten“.

Robert Claus hat die „Maskulismus-Bewegung“ online und offline besichtigt, ihre Organisationsformen und Strategien untersucht und nachgezeichnet, in welche Debatten sie sich eingeklinkt hat. Der Autor wagt auch eine Prognose zur Zukunft der maskulistischen „Bewegung“ und analysiert ihr nicht unerhebliches Spaltpotenzial. Denn der Maskulismus ist eine „Bewegung“ voller Widersprüche und Konflikte.


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Lohnt sich ein Download? Ein Blick auf den Inhalt:
1 Vorwort 8
2 Einleitung  10
2.1 Männlichkeiten im Wandel  14
2.2 Maskulismus in der Geschlechterpolitik  16
2.2.1 Der Maskulismus – Wo kam er her, wo will er hin?  16
2.2.2 Männlichkeitspolitiken sind hoch aktuell  17
2.3. Weitere Analysen und Lesetipps  19
3.  Männlichkeit – eine theoretische Annäherung 24
3.1 Modernisierung und Macht von Männlichkeiten  28
4.  Maskulismus – eine soziale Bewegung? 30
4.1 Die Eckpunkte der Analyse  33
5.  Benachteiligungen gegenüber Männern? 36
5.1 Arbeitsmarkt  39
5.2 Familienpolitik  42
6.  Maskulistische Strategien 46
6.1 Zu gemeinschaftlicher & positiver Männlichkeit finden  49
6.2 Verhältnisse zum Feminismus: zwischen Angriff und Vereinnahmung 52
6.3 Öffentliche Kundgebungen: Solidarität, Erinnerung und Intervention 57
6.4 Emotionalisierung  59
7.  widersprüche und Konflikte des Maskulismus 62
7.1 Rassismus und Homophobie: Wer darf an der ‚Bewegung’ teilnehmen? 65
7.2 Beteiligung von Frauen  69
7.3 Veränderbare Männlichkeit oder festgeschriebenes Mannsein?  71
8.  Fazit: Patriarchat in Bewegung 74
8.1 Mögliche Entwicklungen: ‚Linker Maskulismus’ und Spaltungen  80
8.2 Geschlechterpolitische Aufgaben  84
9.  Anhang 86
9.1 Literatur  88
9.2 Quellen  98
9.3 Methodische Annäherungen – Diskursanalyse und teilnehmende Beobachtung  102

Montag, 16. Juni 2014

[ #Kommunalpolitik ] Frauen: Älter werden und autonom wohnen

Ein Leitfaden für Frauen,Gemeinden und Liegenschaftsverwaltungen.

«Alter ist ein soziales Schicksal» formulierte einmal der berühmte Psychologe Hans Thomae. Und in der Tat: Frauen leben nicht nur länger, sondern altern auch anders als Männer, und dies vor allem aufgrund der unterschiedlichen biografischen Ausgangsbedingungen und gesellschaftlichen Kontexte.

Unabhängig von kultureller Zugehörigkeit definieren ältere Menschen Lebensqualität in erster Linie über folgende Indikatoren: Gesundheit, Unabhängigkeit, soziale Beziehungen, genügend finanzielle Mittel und Respekt. Auch wenn in der Schweiz die Rahmenbedingungen für die Realisierung dieser Anliegen grundsätzlich gut sind, gibt es dennoch bedeutsame Unterschiede abhängig von Alter und Generationenzugehörigkeit, Bildung und Geschlecht.


Diese einschränkenden Faktoren sind miteinander verbunden. So ist die Mehrheit der Menschen im hohen Alter weiblich, und die Frauen dieser Generation stehen im Vergleich zu gleichaltrigen Männern (aber auch zu jüngeren Frauen) finanziell und bildungsmässig schlechter da. Sie weisen zudem eine höhere Abhängigkeit durch soziale Verpflichtungen auf und leben häufiger allein.

Was beschäftigt ältere Frauen, wenn es um das Wohnen geht? In einer Gesprächsrunde mit zwölf Frauen kommen zahllose Erfahrungen und Ansichten zusammen. Die Frauen sind zwischen 70 und 94 Jahre alt.


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Lohnt sich ein Download? Ein Blick in den Inhalt des Leitfadens:
Inhalt
3 Vorwort
5 Einleitung
10 Hedi Schaffner (88) sucht den Austausch.
13 Der Mittagstisch
16 Emmi Büsser (75) setzt sich als Freiwillige ein.
19 Die gegenseitige Hilfe
22 Cécile Sieber (85) interessiert sich für Neues.
25 Die Siedlungs- und Wohnassistenz
28 Maria Sciffo (78) ist froh um die administrative Hilfe.
31 Der Treuhanddienst
34 Martha Stoll (87) setzt sich immer wieder neue Ziele.
37 Die Hilfe und Pflege zu Hause
40 Martha Leuenberger (89) ist in die Familie eingebettet.
43 Die Anlaufstelle für Altersfragen
46 Für die Gemeinden
48 Für die Liegenschaftsverwaltungen
50 Weitere Informationen
51 Dank, Impressum, Bestellhinweis