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Donnerstag, 2. April 2020

[ #Demografie ] Demographie als Politik: "Späte Heirat" - Nazis und Milieu 1934


Späte Heirat. Das Referat von Kurt Bauer am Österreichischen Historikertag in Innsbruck am 21.09.2005 kann man als PDF kostenlos herunterladen.

Im Gegensatz zu den herkömmlichen  Terrorismus- und Faschismustheorien wird hier ein demographischer und sozioökonomischer Deutungsansatz geliefert, der eigentlich auch in der aktuellen Diskussion - wenn auch nicht alleinstehend - einfließen könnte. Das PDF-Dokument umfasst schlanke sechs Seiten, sodass es rasch studiert ist.

Söhne und Weltmacht. Es ist in dem Zusammenhang mit dem zwar höchst umstrittenen Buch des Völkermordforschers Gunnar Heinsohn "Söhne und Weltmacht" höchst interessant, als auch dort ein "demographischer Stressfaktor" als Grund für politischen Radikalismus besprochen wird der der Kulturen-Clash-Theorie in seinem sozioökonomischen Ansatz deutlich widerspricht ohne allerdings leider den von dieser Diskussion einengenden vorgegebenen Pfad zu verlassen.

Die provokative Frage des Gunnar Heinsohn bleibt dennoch: Was verbindet die Attentäter auf das World Trade Center vom 11. September 2001 mit den Entdeckern von Amerika im Jahre 1492? Nicht Religionen, Stammesfehden oder Armut sind die Hauptgründe für die anwachsende Eskalation des Terrorismus sondern ein auffälliger Überschuss an jungen Männern.

Die Rückschlüsse die Gunnar Heinsohn zieht sind höchst umstritten und sind dennoch ein im Kern nicht einfach zu leugnender theoretischer Ansatz, wenngleich die Konsequenzen vielfach anderer Art sein können. Nur eines sollte dabei nicht in der Euphorie über die stürzenden Diktatoren vergessen werden, dass der Sturz überholter und für die Jugend hoffnungsloser (neofeudaler) Politiksysteme nicht zwangsläufig in die Demokratie führen muss und schon gar nicht in eine egalitäre Gesellschaft.

Schon Friedrich Engels hat in seinem Beitrag "Zur Geschichte des Urchristentums" in einer Fußnote fast hoffnugslos angemerkt, woran wir uns gerade bei den angeblichen arabischen "Revolutionsführer" erinnern müssen:
"Einen eigentümlichen Gegensatz hierzu bilden die religiösen Aufstände der muhammedanischen Welt, namentlich in Afrika. Der Islam ist eine auf Orientalen, speziell Araber zugeschnittene Religion, also einerseits auf handel- und gewerbetreibende Städter, andrerseits auf nomadisierende Beduinen. Darin liegt aber der Keim einer periodisch wiederkehrenden Kollision. Die Städter werden reich, üppig, lax in Beobachtung des »Gesetzes«. Die Beduinen, arm und aus Armut sittenstreng, schauen mit Neid und Gier auf diese Reichtümer und Genüsse. Dann tun sie sich zusammen unter einem Propheten, einem Mahdi, die Abgefallnen zu züchtigen, die Achtung vor dem Zeremonialgesetz und dem wahren Glauben wiederherzustellen und zum Lohn die Schätze der Abtrünnigen einzuheimsen. Nach hundert Jahren stehn sie natürlich genau da, wo jene Abtrünnigen standen; eine neue Glaubensreinigung ist nötig, ein neuer Mahdi steht auf, das Spiel geht von vorne an. So ist's geschehn von den Eroberungszügen der afrikanischen Almoraviden und Almohaden nach Spanien bis zum letzten Mahdi von Chartum, der den Engländern so erfolgreich trotzte. So oder ähnlich verhielt es sich mit den Aufständen in Persien und andern muhammedanischen Ländern. Es sind alles religiös verkleidete Bewegungen, entspringend aus ökonomischen Ursachen; aber, auch wenn siegreich, lassen sie die alten ökonomischen Bedingungen unangerührt fortbestehen. Es bleibt also alles beim alten, und die Kollision wird periodisch. In den Volkserhebungen des christlichen Westens dagegen dient die religiöse Verkleidung nur als Fahne und Maske für Angriffe auf eine veraltende ökonomische Ordnung; diese wird schließlich gestürzt, eine neue kommt auf, die Welt kommt vorwärts."

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Dienstag, 12. September 2017

[ #Demografie ] Studie: Hohes Alter, aber nicht für alle


Die unbeantwortete Pensionsreformfrage: Wie sich die soziale Spaltung auf die Lebenserwartung auswirkt.  

Die Gesundheit und damit die Lebenserwartung werden wesentlich von zweiFaktoren bestimmt: dem Sozialstatus und dem Bildungsgrad. 

In vielen Industrieländern ist die Gesellschaft gespalten in Gruppen, die ein sehr hohes Alter erreichen und dabei lange fit und gesund bleiben, und weniger Privilegierte, die tendenziell eher riskante Verhaltensweisen pflegen, denen der Lebensstress zusetzt, die häufiger erkranken und frühersterben. 

Besonders deutlich zeigt sich das in den USA, wo die Differenz zwischen demBezirk (County) mit der höchsten und jenem mit der niedrigsten Lebenserwartung rund 20 Jahre beträgt. Aber auch in Deutschland gibt es große regionale und soziale Unterschiede. Und die Schere scheint sich weiter zu öffnen.

Zudem treibt die zunehmende Alterung die Gesundheitskosten hoch. Alles in allem heißt das: Selbst wenn Einzelne Altersrekorde erreichen, dürfte es künftig schwieriger werden, den Durchschnitt zu erhöhen. Auch in den Teilen der Welt, die in Entwicklung begriffen sind, ist der weitere Zuwachs an Lebenszeit teilweise gefährdet. Immer noch sterben viel zu viele Menschen und vor allem Kinder unter fünf Jahren an Infektionskrankheiten.

Berlin-Institut. Das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung ist ein unabhängiger Thinktank, der sich mit Fragen regionaler und globaler demografischer Veränderungen beschäftigt. Das Institut wurde 2000 als gemeinnützige Stiftung gegründet und hat die Aufgabe, das Bewusstsein für den demografischen Wandel zu schärfen, nachhaltige Entwicklung zu fördern, neue Ideen in die Politik einzubringen und Konzepte zur Lösung demografischerund entwicklungspolitischer Probleme zu erarbeiten.

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Lohnt sich ein Download? Ein schneller Blick auf den Inhalt sagt mehr: 
INHALT
DAS WICHTIGSTE IN KÜRZE 2
1. DIE AUSGANGSLAGE 3
2. WAS VERLÄNGERT, WAS VERKÜRZT DAS LEBEN? 10
3. DIE FOLGEN DES LÄNGEREN LEBENS 16
4. GROSSE UNTERSCHIEDE  21
4.1 USA  21
4.2 DEUTSCHLAND 24
4.3 OSTEUROPA  25
4.4 ENTWICKLUNGS- UND SCHWELLENLÄNDER 26
5. WIE GEHT ES WEITER? 31
6. WAS TUN? 36
QUELLEN 38

[ #Kommunalpolitik ] Die Zukunft der Dörfer: Eine Studie zum Nach- und Überdenken

Zwischen Stabilität und demografischem Niedergang

Die Geburtenraten in vielen Staaten Europas liegen deutlich unter dem bestandserhaltenden Niveau, und mittlerweile kann auch die Zuwanderung den Rückgang der Einwohnerzahlen nicht mehr aufhalten. Das Deutsche Statistische Bundesamt erwartet darum, dass in Deutschland 2050 mindestens zwölf Millionen Menschen weniger leben als heute.
Die ärztliche Versorgung wird immer schwerer aufrecht zu erhalten, Schulen und Geschäfte schließen, Immobilien verlieren massiv an Wert – der demografische Wandel führt dazu, dass mehr und mehr Dörfer von einem rapiden Einwohnerschwund betroffen sind.
Gleichzeitig schafft der wirtschaftliche Strukturwandel zwar neue Arbeitsplätze – aber sie entstehen vor allem in den Metropolregionen, zu denen auch das ländliche Umland der Großstädte gehört. In ländlich-peripheren Gebieten geht dagegen Beschäftigung verloren. Besonders junge Menschen, und damit potenzielle Eltern, folgen dem Ruf der Zentren.

Vorschläge:
  • Die demografischen Veränderungen im demografisch schrumpfenden ländlichen Raum sind kaum aufzuhalten, geschweige denn umzukehren. Deshalb müssen sich die betroffenen Kommunen so gut es geht an den Wandel anpassen. Folgende Punkte sind dabei zu berücksichtigen:
  • Die zunehmende Ungleichheit der regionalen Lebensbedingungen sollte politisch akzeptiert werden.
  • Gesetzliche Vorgaben zu Standards der Infrastruktur sind zu überprüfen und an die schwindende Einwohnerzahl anzupassen, um ländliche Gemeinden von unnötigen Vorschriften und Kosten zu entlasten.
  • Kleine Orte sollten zu Großgemeinden zusammengeschlossen werden, die mit mehr Handlungsspielraum ausgestattet sind. Ortsübergreifend gewählte Bürgervertreter sollten entscheiden, wo welche Infrastruktur vorgehalten, wo nicht mehr investiert wird und wo Baugenehmigungen erteilt werden.
  • Für Planungsentscheidungen, die über den Rahmen von Gemeinden hinausgehen, sollten Regionalkontingente eingerichtet werden. Diese finanziellen Mittel würden den Regionen ohne detaillierte Zweckbindung zustehen. Über deren Verwendung sollte ein Beirat aus gewählten Vertretern der Gemeinden entscheiden, nachdem er sich zuvor auf ein realistisches Gesamtkonzept zur Entwicklung der Region geeinigt hat.
  • Für Orte, in denen nur noch wenige, ältere Bewohner zurückbleiben, sollten rechtzeitig Programme entwickelt werden, die umzugswillige Menschen finanziell dabei unterstützen, ihren Wohnsitz in stadtnähere und/oder infrastrukturell besser versorgte Orte zu verlegen.
  • Es sollte ein Fonds gegründet werden, der den Rückbau von Dörfern und den Abriss von Schrottimmobilien finanziert. So können Ortsbilder attraktiv bleiben und nicht mehr benötigte Flächen an die Natur zurückgegeben werden.
  • Die Nutzung regenerativer Energien bietet für den ländlichen Raum eine neue Möglichkeit der Wertschöpfung. Das Land sollte die Chance nutzen, Modelle für eine nachhaltige Energieversorgung zu erarbeiten und gleichzeitig neue Arbeitsplätze und Einkommensmöglichkeiten zu schaffen.
  • Und nicht zuletzt müssen die Bürger offen über die voraussichtliche Entwicklung ihrer Dörfer informiert werden, damit sie rechtzeitig wichtige Entscheidungen zu ihrer eigenen Lebensplanung treffen können.
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Montag, 16. Juni 2014

[ # Wohnen ] Wie wohnen im Alter?

Im Alter autonom und in guter verlässlicher Nachbarschaft wohnen? Der Gedanke der genossenschaftlichen Organisation des Wohnens gewinnt mit dem demografischen Faktor an Boden. Zum einen sind dezentrale Häuschen im Alter sowohl wirtschaftlich schwerer zu erhalten als auch eine Gefahr der Vereinsamung.

Wenn Kinder aus dem Hause sind, ein Partner möglicherweise verstorben oder die Bewohner einfach nur mit alterstypischen Beschwernissen und Behindrungen belastet sind, dann ist das Zusammenrücken die einfache und logische Konsequenz, auch wenn man nur ungern der angestammten und längjährig gewöhnten Wohnung entsagt.


Kommunen. Nicht nur die einzelnen Bürger, auch die öffentliche Hand - insbesondere die Kommunen _  müssen darauf reagieren, sind doch auch altersbedingte Sozialleistungen in zentraleren und gemeinschaftlichen Siedlungsformen leichter zu realisieren. Dass man lange Jahre nicht sich mit dieser Problematik beschäftigt hat zeigt der Umstand, dass Experten bereits vor der "grauen Wohnungsnot" warnen und vielen älteren Menschen mangels entsprechenden altersangepassten Wohnraums die Abchiebung ins Altersheim droht.

Gemeinschaftliche Wohnformen kommen diesen Bemühungen auf vielfache Weise entgegen. Ein "Age Dossier" 2010 porträtiert dazu fünf Schweizer Wohnprojekte, die von privaten und gemeinnützigen Trägerschaften unterschiedlich und doch erfolgreich umgesetzt wurden. Ihre Gemeinsamkeit: Sicherung von Privatheit und die Sicherheit eines stabilen sozialen Netzes.

Age Dossier" 2010. Das Heft enthält zudem  Hinweise und Denkanstösse von Fachleuten aus Praxis und Wissenschaft und Kontaktangaben zu unterstützenden Organisationen und Verbänden. Es steht zum kostenlosen Download online.


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