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Donnerstag, 2. April 2020

[ #Demografie ] Demographie als Politik: "Späte Heirat" - Nazis und Milieu 1934


Späte Heirat. Das Referat von Kurt Bauer am Österreichischen Historikertag in Innsbruck am 21.09.2005 kann man als PDF kostenlos herunterladen.

Im Gegensatz zu den herkömmlichen  Terrorismus- und Faschismustheorien wird hier ein demographischer und sozioökonomischer Deutungsansatz geliefert, der eigentlich auch in der aktuellen Diskussion - wenn auch nicht alleinstehend - einfließen könnte. Das PDF-Dokument umfasst schlanke sechs Seiten, sodass es rasch studiert ist.

Söhne und Weltmacht. Es ist in dem Zusammenhang mit dem zwar höchst umstrittenen Buch des Völkermordforschers Gunnar Heinsohn "Söhne und Weltmacht" höchst interessant, als auch dort ein "demographischer Stressfaktor" als Grund für politischen Radikalismus besprochen wird der der Kulturen-Clash-Theorie in seinem sozioökonomischen Ansatz deutlich widerspricht ohne allerdings leider den von dieser Diskussion einengenden vorgegebenen Pfad zu verlassen.

Die provokative Frage des Gunnar Heinsohn bleibt dennoch: Was verbindet die Attentäter auf das World Trade Center vom 11. September 2001 mit den Entdeckern von Amerika im Jahre 1492? Nicht Religionen, Stammesfehden oder Armut sind die Hauptgründe für die anwachsende Eskalation des Terrorismus sondern ein auffälliger Überschuss an jungen Männern.

Die Rückschlüsse die Gunnar Heinsohn zieht sind höchst umstritten und sind dennoch ein im Kern nicht einfach zu leugnender theoretischer Ansatz, wenngleich die Konsequenzen vielfach anderer Art sein können. Nur eines sollte dabei nicht in der Euphorie über die stürzenden Diktatoren vergessen werden, dass der Sturz überholter und für die Jugend hoffnungsloser (neofeudaler) Politiksysteme nicht zwangsläufig in die Demokratie führen muss und schon gar nicht in eine egalitäre Gesellschaft.

Schon Friedrich Engels hat in seinem Beitrag "Zur Geschichte des Urchristentums" in einer Fußnote fast hoffnugslos angemerkt, woran wir uns gerade bei den angeblichen arabischen "Revolutionsführer" erinnern müssen:
"Einen eigentümlichen Gegensatz hierzu bilden die religiösen Aufstände der muhammedanischen Welt, namentlich in Afrika. Der Islam ist eine auf Orientalen, speziell Araber zugeschnittene Religion, also einerseits auf handel- und gewerbetreibende Städter, andrerseits auf nomadisierende Beduinen. Darin liegt aber der Keim einer periodisch wiederkehrenden Kollision. Die Städter werden reich, üppig, lax in Beobachtung des »Gesetzes«. Die Beduinen, arm und aus Armut sittenstreng, schauen mit Neid und Gier auf diese Reichtümer und Genüsse. Dann tun sie sich zusammen unter einem Propheten, einem Mahdi, die Abgefallnen zu züchtigen, die Achtung vor dem Zeremonialgesetz und dem wahren Glauben wiederherzustellen und zum Lohn die Schätze der Abtrünnigen einzuheimsen. Nach hundert Jahren stehn sie natürlich genau da, wo jene Abtrünnigen standen; eine neue Glaubensreinigung ist nötig, ein neuer Mahdi steht auf, das Spiel geht von vorne an. So ist's geschehn von den Eroberungszügen der afrikanischen Almoraviden und Almohaden nach Spanien bis zum letzten Mahdi von Chartum, der den Engländern so erfolgreich trotzte. So oder ähnlich verhielt es sich mit den Aufständen in Persien und andern muhammedanischen Ländern. Es sind alles religiös verkleidete Bewegungen, entspringend aus ökonomischen Ursachen; aber, auch wenn siegreich, lassen sie die alten ökonomischen Bedingungen unangerührt fortbestehen. Es bleibt also alles beim alten, und die Kollision wird periodisch. In den Volkserhebungen des christlichen Westens dagegen dient die religiöse Verkleidung nur als Fahne und Maske für Angriffe auf eine veraltende ökonomische Ordnung; diese wird schließlich gestürzt, eine neue kommt auf, die Welt kommt vorwärts."

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Montag, 6. Mai 2019

[ #Kommunalpolitik ] Lokale Handlungsfelder nachhaltiger Familienpolitik


Städte und Regionen, in denen Familien sich wohl fühlen, sind für die Zukunft besser gewappnet. 

Der  deutsche Monitor Familienforschung, Ausgabe 20 "Lokale Handlungsfelder nachhaltiger Familienpolitik" zeigt die Aufgaben und Möglichkeiten lokaler Familienpolitik in einer Zeit auf, in der Familienfreundlichkeit als positiver Standortfaktor für Kommunen zunehmend wichtig wird.
Service. Dies ist nur der Hinweis auf einen Beitrag eines hier verlinkten Weblogs, einer Website oder eines Downloads. Mehr erfährt man, wenn man den untenstehenden Links folgt!
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Mittwoch, 13. Juni 2018

[ #Familie ] OECD-Studie: Eine Zukunft ohne Familie

Politiker haben eine viel zu enge Vorstellung von Familie, sagt Soziologe Klaus Haberkern. Für die OECD hat er zusammen mit anderen Forschenden einen Bericht über die Zukunft der Familien bis 2030 geschrieben.

Das Zusammenleben in Familien hat sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich verändert. Patchwork-Familien und die Zahl alleinerziehender Eltern haben zugenommen, immer mehr Mütter sind erwerbstätig und junge Erwachsene bleiben länger in der Ausbildung. Die Lebenserwartung aller Generationen steigt und führt zu neuen Betreuungsaufgaben, wenn Eltern oder Grosseltern pflegebedürftig werden. Anhand von zwei Szenarien untersucht der Bericht, welche Hauptfaktoren den Wandel von Familien- und Haushaltsstrukturen in den OECD-Ländern bis ins Jahr 2030 beeinflussen könnten, welche Herausforderungen sich dadurch stellen werden und mit welchen politischen Handlungsoptionen diese nachhaltig angegangen werden können.

Roboter statt Solidarität? In der Pflege könnten ineffiziente Abläufe etwa mittels geeigneter Computerprogramme organisatorisch verbessert und so mehr soziale Kontakte zwischen Familienangehörigen, Pflegenden und Patienten ermöglicht werden. Aber auch den Einsatz von Robotern in der Pflege, beispielswiese um Blutdruck zu messen oder Essen warm zu machen, hält Klaus Haberkern für überfällig. Im Gegensatz zu unseren Breitengraden sei dies in Japan eine ganz normale Vorstellung.

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Freitag, 8. Dezember 2017

[ #Familie ] Protestanten einen mutigen Schritt weiter: Die neue Familie

Ein mutiger Schritt der deutschen evangelischen Kirche.

Die Evangelische Kirche in Deutschland (EKD) in Berlin hat eineneue Orientierungshilfe zum Thema Familie publiziert. Sie steht als PDF-Und HTML-Version online.  Kath.net ein konservatives österreichisches (schweizerisch/liechtensteinisches) Online-Magazin im Geiste der Gegenreformation schimpft und hofft auch gleich, dass das Papier "ein weiterer Schritt der evangelischen Kirche in Richtung Beliebigkeit – und damit in die Bedeutungslosigkeit" sei.

Die schnöden fundamentalen Bibelzitatsammler haben hundert Einwände gegen das neue EKD-Paper und sehen die Ehe als göttliche Institution in Gefahr. Dass solches Denken schon allein eine Blasphemie ist - denn wie sollte eine "göttliche Institution" je in Gefahr sein, lassen sie dabei offen. Dass sich nicht nur die Welt, das Weltbild sondern auch die Beziehungsmuster verändert haben, das wollen diese katholischen Bibelexegeten nicht (ein)sehen, sie sind im Besitze der biblischen Wahrheit und damit steht sie über der Wirklichkeit.

Das Evanglische Ratspapier hingegen siedelt die Familie dort an wo sie realiter ist, nämlich ständig "Zwischen Autonomie und Angewiesenheit". Dabei meint sie mit Familie keineswegs nur Vater + Mutter + Kind. Überspitzt formuliert könnte man der konservativen gegenreformatorischen Kritik auch sagen, dass die evangelische Orientierungshilfe auch die  katholischen Pfarrerhaushalte als vollwertige Familie mit einbezieht.


Die Kernaussagen der Orientierungshilfe:

Zwischen Autonomie und Angewiesenheit - Familienleben heute. „Es ist nicht gut, dass der Mensch allein sei.“ Bereits in den ersten Kapiteln der Bibel wird deutlich, dass Menschen zur Gemeinschaft bestimmt und auf Liebe, Fürsorge, Erziehung und Pflege angewiesen sind. Gleichzeitig gehört der Wunsch nach Erkenntnis, Entdeckung, nach Entwicklung und Eigenständigkeit konstitutiv zum Menschsein. In der Ambivalenz von Angewiesenheit und Autonomie wird Familienleben erfahren. Ehe, Partnerschaft, Verantwortung für Kinder, Pflegebedürftige und Kranke werden geprägt durch Bildungsprozesse, die Bedingungen des Erwerbslebens und die gesellschaftliche Gestaltung von Lebensrisiken. Um eine evangelische Verständigung über Ehe, Familie und Partnerschaft zu versuchen, geht es zunächst um eine Ortsbestimmung. Dabei fallen aktuelle Trends in Familienleben und Partnerschaftsverhalten auf: die spätere Familiengründung und der Rückgang von Eheschließungen, die Vervielfältigung von Familienformen, das Auseinanderdriften der sozialen Lebenslagen und die steigende Kinderarmut, schließlich gibt es mehr Familien mit Migrationshintergrund.

Familie und Ehe im Wandel. Eine breite Vielfalt von Familienformen ist, historisch betrachtet, der Normalfall. Die bürgerliche Familie als Ideal entwickelte sich erst im 18. Jahrhundert durch die Trennung von männlicher Erwerbswelt und weiblicher Familiensphäre mit Haushalt und Kindererziehung. Dieses Ideal setzte sich zunächst langsam und erst nach dem Zweiten Weltkrieg in der Bundesrepublik als Lebensform für alle durch. Die DDR dagegen erhob die gleichberechtigte Ehe mit zwei in Vollzeit erwerbstätigen Eltern zum Leitbild und nahm dabei die Familie für die Erziehung der Kinder zur „sozialistischen Persönlichkeit“ gesetzlich in die Pflicht. In Westdeutschland zeigte sich nach der Einführung der verfassungsmäßig garantierten Gleichberechtigung eine wachsende Spannung zwischen der Gleichberechtigung der Frau und dem institutionellen Schutz von Ehe und Familie. Dabei war das Leitbild der bis 1977 gesetzlich geschützten so genannten Hausfrauenehe die Grundlage des Steuer- und Sozialversicherungsrechts. Die Hauptlast der Hausarbeit lag aber trotz der unterschiedlichen Ehe- und Familienkonzeptionen in beiden deutschen Staaten bei den Frauen, auch wenn es in der DDR quantitativ ausreichende Kinderbetreuung gab. Seit dem 19. Jahrhundert kritisierten die Frauenbewegungen die ungleiche Rechtsposition insbesondere der Mütter; damit haben sie schließlich wesentlich zum rechtlichen Wandel in Ehe und Familie beigetragen.

Verfassungsrechtliche Vorgaben und Leitbilder von Ehe und Familie. Die weitreichenden Änderungen im Familienrecht der letzten Jahre folgen einerseits dem Strukturwandel der Familie und tragen der neuen Vielfalt der Familienformen Rechnung, andererseits geben sie Regelungen vor, die der gesellschaftlichen Wirklichkeit vorauseilen. Die nachhaltigste Veränderung ist die Anerkennung eines erweiterten Familienbegriffs, die nicht nur die traditionelle Kleinfamilie, sondern auch alternative Lebensformen unter den institutionellen Schutz des Art. 6 Grundgesetz stellt. Ausschlaggebend hierfür ist einerseits das Kindeswohl, andererseits die Gleichberechtigung aller Mitglieder der Familie, die nun neben Frauen auch Kinder einbezieht.

Theologische Orientierung. Angesichts der Vielfalt biblischer Bilder und der historischen Bedingtheit des familialen Zusammenlebens bleibt entscheidend, wie Kirche und Theologie die Bibel auslegen und damit Orientierung geben. Ein normatives Verständnis der Ehe als „göttliche Stiftung“ und eine Herleitung der traditionellen Geschlechterrollen aus der Schöpfungsordnung entsprechen nicht der Breite des biblischen Zeugnisses. Wohl aber kommt bereits in der Schöpfungsgeschichte zum Ausdruck, dass Menschen auf ein Gegenüber angewiesen sind, an dem sich die eigene Identität entwickelt. In diesem Sinne ist die Ehe eine gute Gabe Gottes, die aber, wie das Neue Testament zeigt, nicht als einzige Lebensform gelten kann. Die den Kindern Gottes zugesagte gleiche Würde jeder und jedes Einzelnen jenseits von Geschlecht und Herkommen und die erfahrbare Gemeinschaft in Christus in all ihrer Unterschiedlichkeit fordert die vorfindlichen Ordnungen immer neu heraus. Deswegen versteht die Reformation die Ehe als „weltlich Ding“; sie ist kein Sakrament, sondern eine Gemeinschaft, die unter dem Segen Gottes steht. Ihre Aufgabe besteht in der Bewahrung und Weitergabe des Lebens in den vielfältigen Formen der Sorge für andere über die Generationen hinweg. Die kirchlichen Segenshandlungen sind ein Zeichen für liebevolle Zuwendung, für Kontinuität und immer neue Aufbrüche im Bund Gottes mit seinem Volk und damit eine Ermutigung, in allen Veränderungen einen gemeinsamen Weg zu wagen. Angesichts von Brüchen und Versagen sind sie zugleich Ausdruck der Rechtfertigung des Menschen allein aus Gnade. Protestantische Theologie unterstützt das Leitbild der an Gerechtigkeit orientierten Familie, die in verlässlicher und verbindlicher Partnerschaft verantwortlich gelebt wird.

Herausforderungen und Brennpunkte der Familienpolitik. Familien sind sinnstiftender Lebensraum und Orte verlässlicher Sorge. In Familien werden unverzichtbare Leistungen für Gesellschaft und Wirtschaft erbracht und sozialer Zusammenhalt gestiftet. Sie stehen nach wie vor an erster Stelle, wenn Menschen in Notlagen geraten. Andererseits werden Familien auch vor neue gesellschaftliche Erwartungen und Anforderungen gestellt und fühlen sich zum Teil erheblich überfordert. Alle Familien sind deshalb darauf angewiesen, dass ihre Leistungen und ihre Bedeutung für die Gesellschaft anerkannt und unterstützt werden.

Zeit füreinander - Alltag und Fest. Gemeinsame Zeit in der Familie entsteht nicht von selbst, sondern muss aktiv von den Familienmitgliedern „hergestellt“ werden. Erwerbsarbeitszeit, Schule und Unterricht, Freizeit, Sport und ehrenamtliches Engagement finden in unterschiedlichen Rhythmen und zu unterschiedlichen Zeiten statt, stellen verschiedene Ansprüche an die Einzelnen und können miteinander kollidieren. Familien brauchen aber gemeinsame Zeit, um sich als zusammengehörig zu erfahren. Gemeinsame Feiern, Feste und Rituale stützen und stärken den Zusammenhalt. Unverzichtbar ist der Sonntag als gemeinsamer erwerbs-, schul- und einkaufsfreier Tag, an dem für Gottesdienst, Gemeinsamkeit und Muße Zeit ist.

Erwerbsarbeit und Sorgetätigkeiten in der Familie. Die Gleichzeitigkeit von Erwerbsarbeit und familiärer Sorge wird vor allem als Problem der Kinder und ihrer Mütter wahrgenommen. Erst in jüngster Zeit sind familienfreundliche Arbeitszeiten auch ein Thema für Väter. Die Zunahme der Mütter-Erwerbstätigkeit geht vor allem auf eine Zunahme von Teilzeitarbeit und prekärer Beschäftigung zurück; das Erwerbsarbeitsvolumen von Frauen hat dagegen nicht zugenommen.Gleichwohl hat das zumindest in Westdeutschland lange vorherrschende männliche Ernährermodell an Dominanz eingebüßt und ist durch vielfältige Arrangements abgelöst worden: das Ernährermodell mit der zuverdienenden Partnerin, zwei in Vollzeit erwerbstätige Elternteile, aber auch Frauen als Familienernährerinnen, insbesondere im Falle der Alleinerziehenden. Unabhängig davon, wie viele Stunden Frauen erwerbstätig sind, obliegt ihnen in jedem Fall die Hauptlast der Haus- und Sorgearbeit. Zwar hat der technische Fortschritt die Hausarbeit zum Teil erleichtert und verändert, doch ist das Stundenvolumen gleich geblieben. Haus-, Erziehungs- und Pflegearbeit in der Familie sind vor allem durch persönliche Beziehungen geprägt und nicht gleichermaßen von bezahlten Kräften leistbar. Wo das dennoch geschieht, handelt es sich häufig um Schwarzarbeit oder prekäre Beschäftigungsverhältnisse, in denen Hausarbeit auf andere Frauen, meistens Migrantinnen, verlagert wird.

Erziehung und Bildung. Die gesellschaftlichen Debatten über Bildung und Erziehung verändern sich: Galt bis vor Kurzem in Westdeutschland noch die Devise, dass Erziehung in der Familie stattfinde, der Kindergarten für ergänzende Betreuung zuständig sei und mit dem Schuleintritt der Bildungsweg beginne, so werden diese Zuordnungen heute grundlegend in Frage gestellt. Familien begegnen mehr denn je dem Anspruch, die Bildungsfähigkeit der Kinder zu verbessern, den Grundstein für qualifizierte Ausbildungen und Studienabschlüsse zu legen sowie für eine bessere Verwendbarkeit auf dem Arbeitsmarkt („employability“) zu sorgen. Dabei ist Bildung, wie Studien belegen, gerade in Deutschland nach wie vor von der sozialen Herkunft abhängig. Als einer der großen Bildungsträger kann die evangelische Kirche Familien bei der Erziehung im Hinblick auf Wertorientierungen und Identitätsbildung entscheidend unterstützen und Orientierungen bieten.

Generationenbeziehungen und Fürsorglichkeit. Familien sind Übungsstätten für soziales Lernen und bilden ein Netzwerk der Unterstützung zwischen den Generationen. Sie fördern die Weitergabe von Erfahrungen und begleiten die kommenden Generationen auf ihrem Weg ins Leben. In vielen Fällen bieten sie bei Krankheit und Pflegebedürftigkeit nach wie vor Fürsorglichkeit und paktische Hilfe an. Trotz zunehmender Mobilität ist die wechselseitige familiäre Generationensolidarität, die sich auch in finanziellen Transfers von den Älteren an die Jüngeren ausdrückt, ungebrochen. Kinder schätzen ihre Eltern und Großeltern und erfahren von ihnen vielfältige Unterstützung und umgekehrt.

Häusliche Pflege. Pflegebedürftige werden immer noch überwiegend in Familien gepflegt. Dabei übernehmen Frauen ganz überwiegend diese Aufgabe. Angesichts des knapper werdenden familiären Pflegepotenzials - nicht zuletzt aufgrund von Veränderungen in der Arbeitswelt und des gesellschaftlichen Wandels - wachsen die Herausforderungen an die Sozialsysteme, wird ein weiterer Ausbau der pflegerischen und hauswirtschaftlichen Dienstleistungsangebote notwendig sein. Gleichzeitig ist die Verbesserung der kommunalen und nachbarschaftlichen Netze und eine Nahversorgung mit Produkten und Dienstleistungen des täglichen Lebens erforderlich, um den Verbleib in der eigenen Wohnung möglichst lange zu erhalten.

Gewalt in Familien. Gewalt in der Familie war bis in die 1980er Jahre tabuisiert, für sexuelle Gewalt an Kindern galt das bis in die jüngste Gegenwart. Das Ideal der Familie war geprägt vom Bild einer harmonischen, gewaltfreien Beziehung. Gewalt in der Familie ist jedoch die am meisten verbreitete Form von Gewalt und tritt als körperliche, psychische und sexuelle Gewalt oder auch als Vernachlässigung in Erscheinung. Betroffen von allen Formen sind Kinder (Jungen und Mädchen) und Frauen. Aber auch Männer erfahren Gewalt, allerdings ist deren Gefährdung außerhalb der Familie höher als bei Frauen, die Gewalt überwiegend im häuslichen Bereich erleben. Besonders problematisch sind Gewalterfahrungen von Kindern in der Familie, weil sie auf die Familie angewiesen und der Situation besonders hilflos ausgesetzt sind. Die Gefahr, dass noch Erwachsene eine solche Gewalterfahrung, die sie als Kinder nicht verlassen konnten, an die nächste Generation weitergeben, ist deshalb groß. Lange übersehen wurde, dass auch in der Pflege Gewalt erfahren wird - von Pflegebedürftigen wie von Pflegenden.
                           
Migration und Familienkulturen. Migration gehört zu den Erfahrungen jeder Zeit und Generation, schon biblische Geschichten berichten davon. Entscheidend ist, wie Einheimische und Zugewanderte ihr Zusammenleben gestalten. Das Ankommen in einer neuen Gesellschaft ist ein Generationenprojekt, das Migrantenfamilien dazu herausfordert, eine neue Balance von Herkunfts-Kultur und neuen kulturellen Einflüssen zu finden, um heimisch zu werden. Herausgefordert ist auch die einheimische Gesellschaft mit ihren kulturellen und religiösen Traditionen, mit ihren Familienbildern und Erziehungsstilen. Bikulturelles Aufwachsen bietet die Chance, Rituale und Lebensdeutungen unterschiedlicher Kulturen und religiöser Lebenszusammenhänge verstehen zu können und sich - bei allen Spannungen, die auch damit verbunden sind - auf die Suche nach einer eigenen kulturellen Identität und gestalteten Religiosität zu begeben. Gerade das Zusammenleben mit anderen Religionen erinnert die säkularisierte Gesellschaft erneut an die religiöse Prägung der Lebenszusammenhänge - von den Alltagsritualen wie Tisch- und Abendgebeten bis zu Hochzeiten und Beerdigungen.

Reichtum und Armut von Familien. Kinder zu erziehen erhöht statistisch gesehen das Armutsrisiko. Auch die sozialpolitischen Transfers können dieses Risiko nicht beseitigen, da sie die betroffenen Familien nicht zielgenau erreichen. Armut ist allerdings weit mehr als das Fehlen materieller Ressourcen. In armen Familien reduzieren sich auch die Bildungschancen der Kinder, die gesundheitliche Versorgung ist ungenügend, die sozialen Netze sind kleiner, die Angebote im Wohnquartier schlechter: Armut bedeutet geringere Teilhabe und geringere soziale Ressourcen. Insofern geht es bei der Armutsprävention nicht nur um Verteilungs-, sondern auch um Befähigungs- und Teilhabegerechtigkeit.

Familienpolitik als neue Form sozialer Politik. In der international vergleichenden Familienforschung und Sozialpolitik hat ein Perspektivenwechsel die besondere Bedeutung von Familien als wesentliche Faktoren allgemeiner Wohlfahrt und des gesellschaftlichen Reichtums hervorgehoben. Damit wurde einerseits offenbar, dass der westdeutsche Sozialstaat mit seinem tradierten Familienbild eine nachhaltige Familienpolitik versäumt hat, andererseits ist deutlich geworden, dass verlässliche Sorgearbeit für die vorangegangene und die nachkommende Generation einen wichtigen, bislang nicht ausreichend berücksichtigten Beitrag zum Bruttosozialprodukt leistet. Der Familie als gesellschaftlicher Institution kommt dabei für die Weitergabe des Lebens und den sozialen Zusammenhalt nach wie vor eine zentrale und unverzichtbare Rolle zu.

Wie Kirche und Diakonie Familien stark machen können. Kirche ist nach wie vor eine wichtige Ansprechpartnerin für Familien. Mit ihren Kasualien, Festen und Feiern begegnet sie Familien in Übergangssituationen, mit ihren Tageseinrichtungen für Kinder, Jugendtreffs und Schulen bietet sie Orte für Bildung, Erziehung und Begegnung, mit ihren diakonischen Diensten begleitet sie Familien in Krisensituationen. Dabei haben Gemeinden, Diakonie und Verbände oft ganz unterschiedliche Gruppen und Familien im Auge. Eine Zusammenarbeit von Kirche und Diakonie, die gemeinsame Entwicklung von Leitbildern und Angeboten und eine verstärkte Zusammenarbeit mit dritten Partnern in der Region sind deshalb unbedingt notwendig. Darüber hinaus sollten Kirchengemeinden ihre generationenübergreifende Arbeit bewusst ausbauen und die Gemeindezentren als Orte erlebten zivilgesellschaftlichen Engagements und erlebter Gemeinschaft gestalten. Angesichts des Strukturwandels von Familien haben Gemeinden und Familienzentren eine wachsende Bedeutung auch für die religiöse Erziehung und die Weitergabe des Glaubens.


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Lohnt sich ein Download? Ein Blick auf den Inhalt:

Inhalt
Vorwort   7
1. Zusammenfassende Thesen11
2. Zwischen Autonomie und Angewiesenheit –
Familienleben heute  20
3. Familie und Ehe im Wandel  31
4. Verfassungsrechtliche Vorgaben und Leitbilder
von Ehe und Familie im Familienrecht heute 43
5. Theologische Orientierung.54
6. Herausforderungen und Brennpunkte der
Familienpolitik.72
6.1 Zeit füreinander – Alltag und Fest 73
6.2 Erwerbsarbeit und Sorgetätigkeiten in der Familie 77
6.3 Erziehung und Bildung87
6.4 Generationenbeziehungen und Fürsorglichkeit97
6.5 Häusliche Pflege 103
6.6 Gewalt in Familien  107
6.7 Migration und Familienkulturen 115
6.8 Reichtum und Armut von Familien 119
7. Familienpolitik als neue Form sozialer Politik 125
8. Wie Kirche und Diakonie Familien stark machen können 132
9. Empfehlungen 141
Literaturhinweise 153
Mitglieder der Ad-hoc-Kommission 160

Sonntag, 3. Dezember 2017

[ #Familie ] Studie: Teilhabe von Eltern am Arbeitsleben schafft Wohlbefinden der Kinder

Die Teilhabe von Eltern am Arbeitsleben ist von zentraler Bedeutung für das Wohlbefinden von Kindern (in Deutschland). 

Eltern, welche die Möglichkeit haben, ihren Lebensunterhalt selbst zu bestreiten und als aktiv Handelnde am Leben der Gesellschaft mitzuwirken, sind laut dem in Berlin vorgestellten „UNICEF-Bericht zur Lage der Kinder in Deutschland 2011/2012“ die wichtigsten Rollenmodelle. Hierdurch vermittele sich Kindern das notwendige Vertrauen, die Herausforderungen der Zukunft zu schaffen.

Crazy. Jedes Kind bracht für seine emotionale, soziale, moralische und intellektuelle Entwicklung Menschen, auf die es sich verlassen kann und zu denen es eine tiefe Bindung hat. Der Psychologe Urie Bronfenbrenner fast dies in dem Satz zusammen: „Jedes Kind braucht einen Erwachsenen, der „crazy“ nach ihm ist.“

Solch exklusive Zuneigung und Liebe sind Grundlage dafür, dass die Kinder Selbstachtung und
Achtung vor anderen entwickeln können. Sie erfahren diese in der Regel bei ihren biologischen oder sozialen Eltern. Als ihre wichtigsten Rollenvorbilder vermitteln sie ihnen Vertrauen und die Zuversicht, die Herausforderungen ihres Lebens zu meistern.

So haben die Teilhabe von Eltern im Beruf und im sozialen Leben starken Einfluss auf den Schulerfolg und die Entwicklung von Resilienz der Kinder. Elterliche Stärke macht sich dabei nicht an hohen Bildungsabschlüssen, einem hohen Einkommen oder besonderen beruflichen Positionen fest. Starke Eltern sind vor allem selbstbewusste Eltern, die das Gefühl haben, in der Gesellschaft anerkannt zu sein.


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Lohnt sich ein Download? Ein Blick in das Inhaltsverzeichnis sagt mehr:

1. Einleitung 4
2. Die Achtung vor anderen und das kindliche Wohlbefinden 8
3. Das kindliche Wohlbefinden:
Forschungsperspektiven von UNICEF, OECD und EU 10
4. Starke Kinder, starke Eltern und unterstützende Nachbarschaft 14
5. Das kindliche Wohlbefinden im Vergleich der Bundesländer:
Die empirische Basis 16
6. Das kindliche Wohlbefinden im Vergleich der Bundesländer 19
6.1. Das materielle Wohlbefinden von Kindern auf der Basis der
UNICEF-Indikatoren 21
6.2 Das materielle Wohlbefinden von Kindern in den Bundesländern 22
7. Das kindliche Wohlbefinden und Teilhabe an Bildung 29
7.1. Regionale Vielfalt 32
7.2. Von Kompetenzen zur Teilhabe 38
7.3. Vergessen und abgehängt? 42
8. Beziehungen zu Eltern und Gleichaltrigen 46
9. Gesundheit, Verhalten und Risiken 50
10. Subjektives Wohlbefinden von Kindern und Jugendlichen 55
11. Perspektiven für die weitere Arbeit und Schlussfolgerungen 59
12. Literaturverzeichnis 67
Daten- und Tabellenanhang 70
Quellen und Anmerkungen zum Daten- und Tabellenanhang 91
Lesehilfen zu den Abbildungen im Bericht 93

Sonntag, 5. August 2012

Häusliche Gewalt gegen ältere Menschen - An wen kann ich mich in Vorarlberg wenden?

Ein häufig auch wissentlich "übersehenes" Problem, weil nicht sein kann was nicht sein darf: Häusliche Gewalt gegen ältere Menschen. 

Laut Weltgesundheitsorganisation werden in westlichen Ländern zwischen einem und zehn Prozent aller älteren Menschen Opfer innerfamiliärer Gewalt. Die Dunkelziffer ist hoch. Zusammenleben ist eben nicht immer einfach. Oft tun Menschen auch etwas in der besten Absicht und „vergreifen“ sich dabei doch manchmal „gewaltig“.

Innerfamiliäre Gewalt gegen ältere Menschen
  • Finanzielle Ausbeutung: Dem älteren Menschen wird Geld/Eigentum entwendet oder vorenthalten, oder er/sie wird dazu gedrängt, dieses anderen „freiwillig“ zu überlassen.
  • Einschränkung des freien Willens: Der ältere Mensch darf nicht selbst über seinen Aufenthaltsort oder seinen Tagesablauf bestimmen. Seine Wohnung wird ohne Einverständnis von den Angehörigen aufgelassen. 
  • Seelische Gewalt: Der ältere Mensch wird bedroht, beschimpft, verlacht, verspottet oder mit Schweigen und Isolation „bestraft“.
  • Körperliche Gewalt: Der ältere Mensch wird hart angefasst, geschlagen, festgebunden oder medikamentös „ruhiggestellt“. Auch sexueller Missbrauch zählt dazu.
  • Vernachlässigung: Dem älteren Menschen wird die benötigte und zugesicherte Pflege und Zuwendung vorenthalten oder verwehrt.

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Download der Broschüre: Häusliche Gewalt gegen ältere Menschen - An wen kann ich mich in Vorarlberg wenden? - Eine Informationsschrift für von Gewalt betroffene ältere Menschen sowie Angehörige, Bekannte, FreundInnen, NachbarInnen …
7.9.11   [Letzte Aktualisierung  5.8.12] Das Vorarlberger Bloghaus verlinkt interessante Weblogs.