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Donnerstag, 12. Juli 2012

Studie: Soziale Ungleichheit und politische Partizipation

Der Sachverhalt ist bereits seit 80 Jahren erforscht. Seit der legendären Marienthalstudie aus dem Jahre 1933. Diese war ein soziographischer Versuch über die Wirkungen langandauernder Arbeitslosigkeit. Berühmt wurden damit nicht nur Marie Jahoda, Paul Felix Lazarsfeld und Hans Zeisel. sie schufen damit einen Klassiker der empirischen soziologie über die Folgen von Arbeitslosigkeit. Die Studie zeigte die sozio-psychologischen Wirkungen von Arbeitslosigkeit auf und machte deutlich, dass Langzeitarbeitslosigkeit nicht – wie vielfach angenommen – zu Revolte, sondern viel häufiger zu passiver Resignation führt.

Daran ist man unwillkürlich erinnert, wenn man die Studie des Wissenschaftszentrums Berlin über "Soziale Ungleichheit und politische Partizipation in Deutschland" liest: Die Teilnahme an unterschiedlichen Formen der politischen Partizipation steigt mit der Verfügbarkeit von Einkommen und Bildung. In Deutschland führen soziale und wirtschaftliche Ausgrenzung nicht zu einer gesteigerten Bereitschaft für Protest und politisches Engagement, sondern zu verstärkter politischer Apathie.

Die Ergebnisse sind im WZBrief Zivilengagement 05 vom April 2012 so zusammengefasst:
  • Wer besser gebildet ist und ein besseres Einkommen hat, beteiligt sich stärker am politischen Prozess.
  • Informelles politisches Engagement ist sogar noch stärker die Sache einkommensstärkerer Gruppen.
  • Soziale Ungleichheit bei der politischen Partizipation kann die Legitimität 
  • demokratischen Regierens schwächen.
Schon in der Studie (WZBrief Zivilengagement 04 vom Oktober 2011) davor über das Engaement Arbeitsloser wird dargetan: 
  • Wer keine Arbeit hat, engagiert sich seltener.
  • Initiativen sind eher beratend als politisch aktiv.
  • Protest erheben fast nur Betroffene und ihr direktes Umfeld.
WZBrief Zivilengagement. Der WZBrief Zivilengagement  vom WZB (Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung) informiert aktuell und kompakt über ein Thema aus der Forschung zum Zivilengagement. Er erscheint mehrmals im Jahr in elektronischer Form. Er richtet sich an Experten und interessierte Praktiker in Politik, Vereinen, Kirchen, sozialen Initiativen und Medien.

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