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Samstag, 28. Januar 2017

[ #Demografie ] Demographie als Politik: "Späte Heirat" - Nazis und Milieu 1934

Späte Heirat. Das Referat von Kurt Bauer am Österreichischen Historikertag in Innsbruck am 21.09.2005 kann man als PDF kostenlos herunterladen.

Im Gegensatz zu den herkömmlichen  Terrorismus- und Faschismustheorien wird hier ein demographischer und sozioökonomischer Deutungsansatz geliefert, der eigentlich auch in der aktuellen Diskussion - wenn auch nicht alleinstehend - einfließen könnte. Das PDF-Dokument umfasst schlanke sechs Seiten, sodass es rasch studiert ist.

Söhne und Weltmacht. Es ist in dem Zusammenhang mit dem zwar höchst umstrittenen Buch des Völkermordforschers Gunnar Heinsohn "Söhne und Weltmacht" höchst interessant, als auch dort ein "demographischer Stressfaktor" als Grund für politischen Radikalismus besprochen wird der der Kulturen-Clash-Theorie in seinem sozioökonomischen Ansatz deutlich widerspricht ohne allerdings leider den von dieser Diskussion einengenden vorgegebenen Pfad zu verlassen.

Die provokative Frage des Gunnar Heinsohn bleibt dennoch: Was verbindet die Attentäter auf das World Trade Center vom 11. September 2001 mit den Entdeckern von Amerika im Jahre 1492? Nicht Religionen, Stammesfehden oder Armut sind die Hauptgründe für die anwachsende Eskalation des Terrorismus sondern ein auffälliger Überschuss an jungen Männern.

Die Rückschlüsse die Gunnar Heinsohn zieht sind höchst umstritten und sind dennoch ein im Kern nicht einfach zu leugnender theoretischer Ansatz, wenngleich die Konsequenzen vielfach anderer Art sein können. Nur eines sollte dabei nicht in der Euphorie über die stürzenden Diktatoren vergessen werden, dass der Sturz überholter und für die Jugend hoffnungsloser (neofeudaler) Politiksysteme nicht zwangsläufig in die Demokratie führen muss und schon gar nicht in eine egalitäre Gesellschaft.

Schon Friedrich Engels hat in seinem Beitrag "Zur Geschichte des Urchristentums" in einer Fußnote fast hoffnugslos angemerkt, woran wir uns gerade bei den angeblichen arabischen "Revolutionsführer" erinnern müssen:
"Einen eigentümlichen Gegensatz hierzu bilden die religiösen Aufstände der muhammedanischen Welt, namentlich in Afrika. Der Islam ist eine auf Orientalen, speziell Araber zugeschnittene Religion, also einerseits auf handel- und gewerbetreibende Städter, andrerseits auf nomadisierende Beduinen. Darin liegt aber der Keim einer periodisch wiederkehrenden Kollision. Die Städter werden reich, üppig, lax in Beobachtung des »Gesetzes«. Die Beduinen, arm und aus Armut sittenstreng, schauen mit Neid und Gier auf diese Reichtümer und Genüsse. Dann tun sie sich zusammen unter einem Propheten, einem Mahdi, die Abgefallnen zu züchtigen, die Achtung vor dem Zeremonialgesetz und dem wahren Glauben wiederherzustellen und zum Lohn die Schätze der Abtrünnigen einzuheimsen. Nach hundert Jahren stehn sie natürlich genau da, wo jene Abtrünnigen standen; eine neue Glaubensreinigung ist nötig, ein neuer Mahdi steht auf, das Spiel geht von vorne an. So ist's geschehn von den Eroberungszügen der afrikanischen Almoraviden und Almohaden nach Spanien bis zum letzten Mahdi von Chartum, der den Engländern so erfolgreich trotzte. So oder ähnlich verhielt es sich mit den Aufständen in Persien und andern muhammedanischen Ländern. Es sind alles religiös verkleidete Bewegungen, entspringend aus ökonomischen Ursachen; aber, auch wenn siegreich, lassen sie die alten ökonomischen Bedingungen unangerührt fortbestehen. Es bleibt also alles beim alten, und die Kollision wird periodisch. In den Volkserhebungen des christlichen Westens dagegen dient die religiöse Verkleidung nur als Fahne und Maske für Angriffe auf eine veraltende ökonomische Ordnung; diese wird schließlich gestürzt, eine neue kommt auf, die Welt kommt vorwärts."

 [citizen|BürgerIn|citoyen]

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