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Mittwoch, 2. August 2017

[ #Migration ] Migrationsforschung: Jugendliche als Laiendolmetscher


Angesichts der rechtspopulistischen Weigerung Vorarlbergs in den Krankenhäusern Dolmetscher einzusetzen, ist diese Dissertation eine Pflichtlektüre.


Die aus Feldkirch stammende Sprach- und Geschichtswissenschafterin Mag. Vera Sophie Ahamer wurde von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften für ihr Dissertationsprojekt "Kinder als Dolmetscher" mit dem Dissertationspreis für Migrationsforschung 2008 ausgezeichnet.

In ihrer Dissertation untersucht Vera Sophie Ahamer einerseits das Problem der Kommunikationsbarrieren für Migrantinnen und Migranten in öffentlichen Einrichtungen, wie Ämtern, Schulen oder Krankenhäusern; andererseits behandelt sie die sehr kontroverse Lösungsmöglichkeit aus den eigenen Reihen der Migranten – den Einsatz von Kindern als Dolmetschern.


 [citizen|BürgerIn|citoyen]
Abstract. Gegenstand vorliegender Arbeit ist mehrsprachige Kommunikation zwischen ImmigrantInnen sowie VertreterInnen der Mehrheitsgesellschaft an der Kontaktschwelle zu Behörden und öffentlichen Institutionen, kurz: Community Interpreting bzw. Kommunaldolmetschen. Während in Ländern wie Schweden, Australien und Großbritannien dieser Bereich weitgehend in Form professioneller Dolmetschpools abgedeckt wird, obliegt es nicht deutschsprachigen oder Deutsch lernenden ImmigrantInnen in Österreich, sich mittels eigener Träger translatorischer Leistungen Zugang zu gesellschaftlichen Informationsressourcen zu verschaffen. Dabei greifen sie oft auf die ihnen naheliegendste Lösung zurück: die eigenen, bilingual sozialisierten Kinder. Letztere sind daher mit Kontexten und Inhalten konfrontiert, die den Erfahrungshorizont von Gleichaltrigen im Allgemeinen überschreiten. Daraus folgend ergibt sich folgende zentrale Fragestellung: Mit welchen Implikationen ist das Dolmetschen für Kinder und Jugendliche, aber auch deren Eltern sowie die beteiligten Institutionen verbunden? Diese Problematik wird vor dem gegenwärtigen sowie historischen Hintergrund der Integrations- und Sprachenpolitik, der Community Interpreting-Forschung sowie bisheriger Forschungsergebnisse zum „Kinderdolmetschen“ erörtert und mittels qualitativer Interviews mit 42 in Wien und Vorarlberg wohnhaften Kindern, neun Lehrerpersonen, zwei Müttern und drei Erwachsenen auf ihre Relevanz in Österreich hin untersucht. Dabei zeigte sich, dass Dolmetschen für Kinder nicht nur Risiken, sondern auch Potenziale in sich bergen kann. Inwieweit diese zur Geltung kommen, ist allerdings wesentlich vom Machtgefälle innerhalb des Interaktionskontextes sowie in weiterer Folge von sozioökonomischen Faktoren abhängig.

Mag. Vera Sophie Ahamer, geboren 1977, studierte Geschichte und Romanistik sowie Dolmetschwissenschaft an der Universität Wien. Seit 2006 ist sie Doktorandin am Zentrum für Translationswissenschaft der Universität Wien und unterrichtet Deutsch als Fremdsprache an der Diplomatischen Akademie Wien.

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