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Dienstag, 25. März 2014

[ #journalismus ] Verschwindet die Zeitung?

Die Medienwissenschaftler Stephan Weichert und Leif Kamp haben für die deutsche (sozialdemokratische) Friedrich-Ebert-Stiftung “internationale Trends und medienpolitische Problemfelder” analysiert und daraus die Studie “Das Verschwinden der Zeitung?” entwickelt.

Die einleitenden Thesen und Handlungsempfehlungen fassen eigentlich schön zusammen, was Grundbestand sein sollte, wenn man derzeit einen Beitrag zu diesem Thema leisten will. Besonders gefallen diese einleitenden Thesen, die recht gut die augenblicklichen Problemstellungen und Entwicklungen wie auch Zukunftsperspektiven (er)fassen. Stellvertretend für alle anderen Thesen und Handlungsempfehlungen die erste:
"Das Internet verdrängt zweifellos die klassische Zeitung auf Papier. Auch wenn bei der Frage nach dem Verschwinden der Zeitung häufig das Riepl’sche Gesetz ins Feld geführt wird, darf bezweifelt werden, dass die derzeitigen Umwälzungen mit den bisherigen Transformationsprozessen im Medienbereich überhaupt vergleichbar sind: Das Internet ist nicht einfach ein neues, höher entwickeltes Medium; vielmehr saugt es alle bestehenden Massenmedien in sich auf, deutet sie um und definiert deren Ausdrucksformen und publizistische Wirkung neu."
Der Journalist Björn Sievers stellt aber in seinem Weblog die Frage, warum der Aussagesatz "Das Verschwinden der Zeitung" mit einem Fragezeichen versehen wurde und warum das Auslaufmodell Printzeitung im Schlussatz wieder zu einem existentiellen Bestandteil der Demokratie hochgeredet wird.

Und er frägt, wie ein Journalist eigentlich auch sonst hinterfragen sollte:
"Aber ich frage mich: Wieso brauchen wir Zeitungen, um Demokratie zu leben? Was wir tatsächlich brauchen, ist ein funktionierender Journalismus, sind Ressourcen für Recherchen, ist ein Rückgrat für unbequeme Geschichten (das stellt auch die Studie klar). All das lässt sich jedoch nicht durch das Überleben einer Mediengattung sicherstellen, schon gar nicht, wenn diese subventioniert würde. Eine Zeitung ist ja nicht per se ein gutes Medium, nur weil sie auf Papier gedruckt ist (und einige Leuchttürme des Journalismus in den vergangenen Jahrzehnten zu dieser Gattung gehören). Fundament können allein gesicherte Geschäftsmodelle für Journalismus (und nicht Mediengattungen) oder – sollte es diese künftig nicht mehr geben - alternative Wege, etwa über Stiftungen (ich bin allerdings ausreichend kulturoptimistisch und glaube an Geschäftsmodelle, wenngleich sie nicht die Renditen abwerfen dürften, wie gut gemachtes Investmentbanking vor der Finanzkrise). ..."
Zu ergänzen wäre, dass die Meinungsfreiheit eine Informationsfreiheit, ein Recht auf Information zu sein hat, die die öffentliche Geheimniskrämerei für die Bürger(journalisten) durchsichtiger macht, recherchierbar macht. Zu ergänzen wäre, dass die virtuellen Zeitungen, fliegenden Blätter, Zeitungen und fliegende Blätter bleiben, wohl aber sich nicht nur die haptische Qualität sondern die Rezeption, die Recherche, die Geschwindigkeit sich ändert. Nachzuhaken wäre auch, ob der Segen dieser Veränderung nicht auch einen Fluch beherbergen kann. Zu unterstreichen ist auch der Optimismus des erwähnten Bloggers und Journalisten, dass es Geschäftsmodelle mit Renditen für diese "Zeitungen" gibt, denn noch hat das Internet nur die Produktionskosten der Papierzeitung eingeebnet. Qualitätsjournalismus, Recherche und unabhängige Information sind allen Web-2.0-Visionären zum Trotz dauerhaft nicht anders zu haben. Die Zukunft der Informationsgesellschaft als Ansammlung von ehrenamtlichen Bürgerjournalisten auch nur zu denken, hieße und bewiese: Nichtdenken!


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