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Samstag, 25. Februar 2012

Intersexualität - Stellungnahme des Deutschen Ethikrates

Das Thema Intersexualität wurde in den letzten Jahren insbesondere durch die Aktivitäten von Betroffenengruppen, aber auch durch Diskussionen im Bereich des Sports in den Medien stärker als früher wahrgenommen, wenngleich es insgesamt noch immer mit einem starken Tabu belegt scheint und in der Öffentlichkeit kaum und auf der Basis nicht ausreichender Informationen diskutiert wird.

Der Deutsche Ethikrat hat seine im Auftrag der Bundesregierung erarbeitete Stellungnahme zur Situation intersexueller Menschen publiziert. Er ist der Auffassung, dass intersexuelle Menschen als Teil gesellschaftlicher Vielfalt Respekt und Unterstützung der Gesellschaft erfahren müssen. Zudem müssen sie vor medizinischen Fehlentwicklungen und Diskriminierung in der Gesellschaft geschützt werden.
Im Mittelpunkt der Diskussionen stand immer wieder die Frage, ob chirurgische Eingriffe an den Geschlechtsorganen von Menschen mit Besonderheiten der geschlechtlichen Entwicklung (DSD – differences of sexs development) und insbesondere bei betroffenen Kleinkindern überhaupt zulässig sein sollten.

Irreversible medizinische Maßnahmen zur Geschlechtszuordnung bei Menschen mit uneindeutigem Geschlecht stellen einen Eingriff in das Recht auf körperliche Unversehrtheit, Wahrung der geschlechtlichen und sexuellen Identität und das Recht auf eine offene Zukunft und oft auch in das Recht auf Fortpflanzungsfreiheit dar. Die Entscheidung darüber ist höchstpersönlich. Daher empfiehlt der Ethikrat, dass sie grundsätzlich von den Betroffenen selbst getroffen werden sollte. Bei noch nicht selbst entscheidungsfähigen Betroffenen sollten solche Maßnahmen nur erfolgen, wenn dies nach umfassender Abwägung aller Vor- und Nachteile des Eingriffs und seiner langfristigen Folgen aufgrund unabweisbarer Gründe des Kindeswohls erforderlich ist. Dies ist jedenfalls der Fall, wenn die Maßnahme der Abwendung einer konkreten schwerwiegenden Gefahr für die physische Gesundheit oder das Leben der Betroffenen dient.

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Download Intersexualität - Stellungnahme des Deutschen Ethikrates

Inhaltsverzeichnis
1 Problemaufriss, Auftrag und Vorgehen 9
1.1 Aus dem Leben Betroffener 17
1.1.1 Fallbericht: Auszug aus dem CEDAW-Schattenbericht 17
1.1.2 Fallbericht: Auszug aus dem CESCR-Schattenbericht 20
2 Intersexualität und Abgrenzung von Transsexualität 24
3 Geschlechtszuordnung und Geschlechtsidentität 27
3.1 Das biologische Geschlecht 28
3.1.1 Chromosomen 28
3.1.2 Keimdrüsen (Gonaden) 30
3.1.3 äußere Geschlechtsorgane 31
3.1.4 Hormone 32
3.2 Das psychische Geschlecht 33
3.3 Das soziale Geschlecht 34
4 Medizinisch relevante Formen von DSD 35
4.1 DSD aufgrund von atypischer Ausprägung der 
Gonaden 37
4.2 DSD aufgrund einer Androgenunterfunktion 41
4.3 DSD aufgrund einer Androgenüberfunktion 43
4.4 Fehlbildungen des Urogenitalsystems im Umfeld 
von DSD 46
4.5 Zum Tumorrisiko 46
5 Medizinische Diagnostik und Therapie 48
5.1 Historische Entwicklung 48
5.2 Medizinische Diagnostik bei DSD 52
5.3 Medizinische Therapie bei DSD 55
6 LEBENSWIRKLICHKEIT und LEBENS-Qualität 61
6.1 Empirische Studien zur gegenwärtigen Situation 
von Menschen mit DSD 61
6.2 Behandlungserfahrungen 66
6.3 Lebensqualität und Lebenszufriedenheit 716
6.4 Zusammenhang zwischen medizinischer 
Behandlung und Lebenszufriedenheit 77
6.5 Diskriminierung 82
6.6 Hürden im Alltag 83
6.7 Einstellungen und Bewertungen 85
6.8 Forderungen zur Verbesserung der Lage 91
6.9 Fazit 94
7 Ethische Aspekte des gesellschaftlichen und medizinischen Umgangs mit Intersexualität 97
7.1 Sozialphilosophische und sozialethische 
Überlegungen 97
7.1.1 Neue Verantwortung im Verhältnis von Mensch und Natur 97
7.1.2 Neue Verantwortlichkeit für das Geschlecht 99
7.1.3 Stellvertretende Entscheidung 101
7.2 Die Anerkennung medizinisch verursachten 
Leidens 103
7.3 Diagnose und Behandlung von DSD: Ethische 
Leitlinien und Prinzipien 106
8 intersexuelle MENSCHEN IM RECHT 116
8.1 Historischer Überblick 116
8.1.1 Die rechtliche Regelung des Geschlechts 116
8.1.2 Rechte von intersexuellen Menschen 121
8.2 zur Rechtslage im Personenstandsrecht 123
8.2.1 Grundlagen 123
8.2.2 Verfassungsrechtliche Bewertung der geltenden Rechtslage 128
8.2.2.1 Eingriff in das allgemeine Persönlichkeitsrecht 128
8.2.2.2 Eingriff in Gleichheitsrechte, Art. 3 Abs. 3 gg 131
8.2.3 Das Allgemeine gleichbehandlungsgesetz 132
8.2.4 Völkerrechtliche Beurteilung 135
8.2.4.1 Europäische Menschenrechtskonvention 135
8.2.4.2 EU-Grundrechtecharta 137
8.2.4.3 UN-Kinderrechtskonvention 137
8.2.4.4 Internationaler Pakt über bürgerliche und politische Rechte 138
8.2.5 Mögliche Schlussfolgerungen 138
8.2.5.1 Das dritte Geschlecht 139
8.2.5.2 Abschaffung der Eintragung des Geschlechts 142
8.2.5.3 Aufschieben der Eintragung des Geschlechts 1447
8.3 Der rechtliche Rahmen medizinischer Eingriffe 
an Minderjährigen bei DSD 145
8.3.1 Einleitung 145
8.3.2 Medizinische Eingriffe als Körperverletzung: Das Erfordernis 
einer Einwilligung 146
8.3.3 Die stellvertretende Einwilligung durch den gesetzlichen 
Vertreter 149
8.3.4 Verletzung elterlicher Sorgepflicht bei Ablehnung einer 
medizinisch indizierten Behandlung 156
8.3.5 Das Erfordernis der Aufklärung 158
8.3.6 Der medizinische Standard 160
8.3.7 Haftung und Strafbarkeit 162
8.3.8 Mögliche Schlussfolgerungen 164
8.3.8.1 Entschädigungsfonds 164
8.3.8.2 Regelung zu den grenzen elterlicher Zustimmung 166
8.3.8.3 Einbeziehung einer unabhängigen Institution 167
9 Empfehlung 172
9.1 zur medizinischen Behandlung 173
9.2 zum Personenstandsrecht 177
Literaturverzeichnis 179
Abkürzungen 187
Glossar 189
Anhang 198

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