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Dienstag, 22. Juli 2014

[ #gender ] Maskulismus: Neuer Antifeminismus zwischen Salonfähigkeit und Frauenhass

Eine aktuelle Studie der Friedrich-Ebert-Stiftung, Berlin.

Während im Bereich der institutionalisierten Politik männerpolitische Funkstille herrscht, wird die Auseinandersetzung in der Zivilgesellschaft umso lauter und emotionaler geführt.  Die politische Bandbreite ist erheblich: Männerpolitische Akteure und Akteurinnen von progressiv über konservativ bis reaktionär ringen um Deutungshoheit, einige von ihnen in produktivem Austausch mit Feminist/-innen, andere in offener bis hasserfüllter Konfrontation.

Die Akteure und Akteurinnen scheiden sich nicht nur an der Frage, ob Frauen in dieser Debatte als Verbündete im Kampf gegen starre Rollenbilder oder als „der Feind“ zu betrachten sind, sondern auch an der noch grundsätzlicheren Frage, was Männlichkeit (und Weiblichkeit) eigentlich ausmacht. Problematischerweise sind es gerade die dezidiert frauenfeindlichen Stimmen, die sich besonders aggressiv Gehör verschaffen. Diese Akteure und Akteurinnen vertreten die Ansicht, die Geschlechterhierarchie habe sich längst ins Gegenteil verkehrt und es seien heute die Männer, die benachteiligt würden. Ihre Identitätsfindung geschieht in harter Abgrenzung zum „Weiblichen“ und ihr Ziel ist eine Politik, die jegliche Aktivitäten der Frauenförderung einstellt, um sich endlich um die „wahren Opfer“ der Geschlechterverhältnisse zu kümmern: die Männer.

Es gelingt ihnen immer öfter, das Stimmungsbild in den Online-Foren großer Medien zu dominieren. Sobald ein Beitrag über geschlechterpolitisch umkämpfte Themen wie die Frauenquote in Aufsichtsräten erscheint, tobt im Diskussionsforum ein Sturm der Entrüstung. Profeministische und moderatere Stimmen verstummen angesichts dieses Shit-Storms, sodass es für den unbedarften Leser oder die unbedarfte Leserin aussieht, als handele es sich bei diesen „Ausfällen“ um die herrschende Meinung.

Autor.  Robert Claus, Jahrgang 1983, Magister der Europäischen Ethnologie und Gender Studies. Er studierte in Berlin, Buenos Aires und Istanbul. Seine Forschungsschwerpunkte sind Rechtsextremismus, Gender, Rassismus, Männlichkeiten, Subkulturen, Fußball, Migration und soziale Inklusion. Er arbeitet an der „Kompetenzgruppe Fankulturen und Sport bezogene Soziale Arbeit“ an der Leibniz Universität Hannover sowie als Lehrbeauftragter an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er ist Mitglied im bundesweiten Netzwerk „Männlichkeiten, Migration und Mehrfachzugehörigkeiten“.

Robert Claus hat die „Maskulismus-Bewegung“ online und offline besichtigt, ihre Organisationsformen und Strategien untersucht und nachgezeichnet, in welche Debatten sie sich eingeklinkt hat. Der Autor wagt auch eine Prognose zur Zukunft der maskulistischen „Bewegung“ und analysiert ihr nicht unerhebliches Spaltpotenzial. Denn der Maskulismus ist eine „Bewegung“ voller Widersprüche und Konflikte.


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Lohnt sich ein Download? Ein Blick auf den Inhalt:
1 Vorwort 8
2 Einleitung  10
2.1 Männlichkeiten im Wandel  14
2.2 Maskulismus in der Geschlechterpolitik  16
2.2.1 Der Maskulismus – Wo kam er her, wo will er hin?  16
2.2.2 Männlichkeitspolitiken sind hoch aktuell  17
2.3. Weitere Analysen und Lesetipps  19
3.  Männlichkeit – eine theoretische Annäherung 24
3.1 Modernisierung und Macht von Männlichkeiten  28
4.  Maskulismus – eine soziale Bewegung? 30
4.1 Die Eckpunkte der Analyse  33
5.  Benachteiligungen gegenüber Männern? 36
5.1 Arbeitsmarkt  39
5.2 Familienpolitik  42
6.  Maskulistische Strategien 46
6.1 Zu gemeinschaftlicher & positiver Männlichkeit finden  49
6.2 Verhältnisse zum Feminismus: zwischen Angriff und Vereinnahmung 52
6.3 Öffentliche Kundgebungen: Solidarität, Erinnerung und Intervention 57
6.4 Emotionalisierung  59
7.  widersprüche und Konflikte des Maskulismus 62
7.1 Rassismus und Homophobie: Wer darf an der ‚Bewegung’ teilnehmen? 65
7.2 Beteiligung von Frauen  69
7.3 Veränderbare Männlichkeit oder festgeschriebenes Mannsein?  71
8.  Fazit: Patriarchat in Bewegung 74
8.1 Mögliche Entwicklungen: ‚Linker Maskulismus’ und Spaltungen  80
8.2 Geschlechterpolitische Aufgaben  84
9.  Anhang 86
9.1 Literatur  88
9.2 Quellen  98
9.3 Methodische Annäherungen – Diskursanalyse und teilnehmende Beobachtung  102

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