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Dienstag, 8. April 2014

[ #Steuern ] Vom Mord zur Erfindung der Spatzensteuer

Am 4. Februar 1738 wird Joseph Süß Oppenheimer vor den Toren von Stuttgart an einem 12 Meter hohen Galgen erwürgt und jahrelang in einem Käfig dort hängen gelassen.

Der geballte Hass der christlichen Umwelt traf ihn, als er vom württembergischen Herzog Carl Alexander 1733 als Berater und Finanzmann nach Stuttgart geholt wurde. Die Misslaune gegenüber Herzog Carl Alexander in Württemberg rührte aber nicht allein aus der Steuerpolitik gegenüber den Ständen her. Carl Alexander, der als erfolgreicher Heerführer in habsburgisch kaiserlichen Diensten stand, war wohl aus taktischen Gründen 1712 zum katholischen Glauben übergetreten. Die protestantischen Stände fürchteten damit eine Rekatholisierung und Gegenreformation wie sie in den habsburgischen Ländern unmenschliche Urständ feierte. Der württembergische Regierungsapparat, der Hof und die Landstände betrieben daher die Verschleppung und den Boykott aller finanzpolitischen Maßnahmen des Herzogs.

Habsburger. Nicht zuletzt war aber auch der aufwändige absolutistische Lebensstil und die Beteiligung des Herzogs an kaiserlichen, katholischen und habsburgischen Kriegszügen mit schuld an der angespannten Finanzlage Württembergs. Für die Stände hingegen galt Oppenheimer als Urheber aller Missstände. Dabei prallten zwei Welten aufeinander, Fortschritt versus rückschrittliche Wirtschaftsvorstellungen: der Herzog, das Patriziat und seine Ratgeber setzten auf Geld und Zinsen, die Ankläger und Kritiker von Süß Oppenheimer setzten noch auf die überkommene Naturalwirtschaft.

Die Württemberger waren vom Regen in die Traufe gekommen. Der Nachfolger des Herzogs, unter dessen Regime Joseph ben Issachar Süßkind Oppenheim erwürgt wurde, der wegen seiner Verschwendung beim Schlossbau berüchtigte Herzog Karl Eugen, führte doch glatt am 6. Juni 1789 per Dekret eine Spatzensteuer ein. Wer nicht 12 Spatzen gefangen hatte, hatte eine Steuer von 12 Kreuzern zu entrichten.

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