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Samstag, 5. Januar 2013

Vorarlbergs Schulversager sitzen im Landhaus: Lehrausbildungskatastrophe

Stadtrat Bernhard Amann kritisiert die mangelnde Effizienz der Vorarlberger Berufsausbildung, die sowohl durch eine unvertretbar hohe Dropout-Rate als auch durch österreichweit schlechteste Prüfungsergebnisse gekennzeichnet ist. Bernhard Amann regt deshalb als Sofortmaßnahme die Einführung eines zweiten Berufsschultages und die Etablierung von Fördermaßnahmen für Lehrlinge an.

60,2 Prozent der Burschen, und 34,4 Prozent der Mädchen machen in Vorarlberg eine Lehre. Wir sind damit weiterhin das Bundesland mit der weitaus höchsten Lehrlingsquote in Österreich. Das was uns die Poltitik als besonder Vorarlberger Höchstleistung verkauft ist aber in Wirklichkeit die völlige Kapitulation vor einer veränderten Wirtschaft und Gesellschaft, die ganz andere Ausbildungsschwerpunkte brauchen würde.

Während anderswo die Tendenz dazu geht, zwei von drei Jugendlichen zu einem Studium oder einer weiteren höheren Bildung im tertiären Bildungssektor zu bewegen, werden Vorarlbergs Burschen buchstäblich in die Lehre gedrängt: International völlig unvergleichlich schickt man hier zwei von drei männlichen Jugendlichen in eine Lehre.

Dass dies dann nicht nur Lehre sondern sehr häufig auch Leere bedeutet, das zeigt eine eben veröffentlichte Zahl. Im Durchschnitt brechen jährlich 1.100 Lehrlinge die Lehre vorzeitig ab: Das bedeutet, das die Drop-out-Rate bei einem Drittel der jährlich eintretenden Auszubildenden liegt.

Dies ist de facto eine Bankrotterklärung der Vorarlberger Jugend- und Schulpolitik. Dazu kommt (ich  habe in den vergangenen Jahren immer wieder auf diesen Skandal hingewiesen), dass rund ein Fünftel der Vorarlberger Lehrlinge Jahr für Jahr die Lehrabschlussprüfung nicht bestehen. Hier liegt Vorarlberg seit vier Jahrzehnten ununterbrochen am Ende der Tabelle ohne dass die Politik irgendetwas daraus gelernt hätte. Diese fortgesetzte Lernverweigerung kostet vielen hoffnungsvollen Jugendlichen Chancen und dem Wirtschaftsstandort Vorarlberg die Zukunft. Die Bedeutung diese Misstandes wird deutlich, wenn man sich dabei vor Augen hält, dass ungefähr alle fünf Jahre ein ganzer Lehrlingsjahrgang ohne abgeschlossene Ausbildung entsteht.

Wenn ein Drittel der Lehrlinge die Lehre vorzeitig abbrechen und ein Fünftel der Lehrlinge durch die Lehrausbildung nicht einmal für eine positive Prüfung vorbereitet werden können, dann ist die Vorarlberger Lehre ein Weg zur Hilfsarbieteraquisite. Tatsächlich ist es ja auch so, dass Vorarlberg den größten Bevölkerungsanteil an Personen hat, deren höchster Ausbildungsabschluss die pflichtschule ist. Dabei ist es eine arbeitsmarktpolitische Binsenweisheit, dass gerade diese Personengruppe am ärgsten von den Bewegungen am Arbeitsmarkt betroffen ist und am ehesten arbeitslos wird.

Es ist also sofort die Lehrausbildung in Vorarlberg zu überdenken und der Vorarlberger Jugend wieder eine Zukunft zu sichern. schließlich ist sie es, die mit ihren Einkommen und ihrer Arbeit die zukünftigen Pensionen und Sozialleistungen erwirtschaften muss.
5.1.11

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