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Freitag, 19. September 2008

Warnviereck - Die andere Autokampagne - Ein Kunstprojekt


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Freitag, den 26.9. 2008 findet um 17 Uhr beim Saumarkt-Theater in Feldkirch im Rahmen der Critical Mass die Präsentation des Kunstprojekts Warnviereck statt.

Die automobile Fortbewegung kostet vermutlich mehr Menschenleben als der Tabakkonsum, trotzdem finden sich nur auf Zigarettenpackungen Warnhinweise, jedoch nicht auf Autos. Dem Kunstprojekt von Roland Alton-Scheidl geht es nicht darum das Auto zu verteufeln, sondern auf die negativen Auswirkungen hinzuweisen und diese wieder ins Bewusstsein zu bringen.

Beipackzettel:
"Warnviereck" ist konzipiert als Gestaltungsvorlage für Interventionen im öffentlichen Raum. Abgeleitet von Warnhinweisen auf Zigarettenpackungen, kommuniziert das angewandte Format Ernsthaftigkeit und Betroffenheit. Mit einem emotionalen Statement und ergänzenden Fakten sollen Tabus angesprochen werden, die in anderen Medien wenig Raum finden. Die Verbreitung erfolgt viral durch Betroffene, indem sie die Hinweise spontan auf Objekten im öffentlichen Raum reversibel anbringen.

Einfachste Handhabbarkeit ohne Investitionen tätigen zu müssen bestimmt das Produktionsverfahren. Die Vervielfältigung der Blätter, die einfach in der Tasche transportiert werden können, erfordert lediglich einen PC mit A4 Drucker. Die Vorlage wurde mit der Freien Software "OpenOffice Impress" umgesetzt, als Font kommt FreeSans zum Einsatz und die Vorlage selbst ist "Creative Commons" lizensiert. Eine Bearbeitung der Gestaltungsvorlage ist somit ohne weitere lizenzrechtliche Abklärungen möglich. Registered at RegisteredCommons.org

In der konkreten Serie "Warnviereck" liegt der Schwerpunkt auf verkehrspolitischen Problemzonen des motorisierten Individualverkehrs in Österreich. Das Auto geniesst nach wie vor einen hohen Stellenwert quer durch alle Bevölkerungsschichten. Wie die Zigarette ist auch das Auto emotional stark besetzt - rationale Appelle etwa von Umweltschützern, den Konsum bzw. die Nutzung zu reduzieren, stossen auf taube Ohren.

Auch wenn Warnhinweise auf Rauchwaren anfangs belächelt worden waren, ist der Effekt nachhaltig sichtbar. Die rigiden Einschränkungen in vielen europäischen Staaten finden überraschenderweise - bis auf wenige Ausnahmen - auch in der Bevölkerung Akzeptanz.

Erklärtes Ziel des Projekts "Warnviereck" ist es, dass die Autoindustrie die Auflage erhält, entsprechende Warnhinweise bei ihrer Werbung, an und in Autos anzubringen.

Selbst in den hochentwickelten deutschsprachigen Ländern besitzt noch immer weniger als die Hälfte der Bevölkerung ein Auto, doch diese Mehrheit hat kein Sprachrohr. Die Gestaltungsvorlage "Warnviereck" samt Handlungsanleitung gibt jedem Betroffenen ein Medium in die Hand, bei Schieflagen und Problemzonen einer Auto - fixierten Gesellschaft eine aktiv Rolle einzunehmen. Der offene Gestaltungsansatz lässt eine Erweiterung in viele Richtungen zu, etwa um auf lokalpolitische Verkehrsanliegen aufmerksam zu machen.

Der Siegeszug des Automobils ist ein Pyrrhussieg. Die Entstellung des öffentlichen Raums durch Fahr- und Stehzeuge, der Lärm oder der Klimawandel sind Anlass genug für umfassende Interventionen. Die Gestaltungsvorlage soll dazu anregen, tätig zu werden, anstatt ständig auszuweichen.

Das Leben lässt sich auch ohne Auto meistern. In Europa ist der öffentliche Verkehr gut ausgebaut und das Fahrrad bietet sich für Kurzstrecken an. Mit einem Fahhradanhänger lassen sich Einkäufe erledigen und Kinder transportieren. Freilich ist ein Umstieg nicht jedem zumutbar. Doch eine Bewußtmachung und Abkopplung der emotionalen Komponente soll dazu beitragen, zu einem überlegten Umgang mit der eigenen Mobilität zu gelangen.

Die gestalterische Konzeptstudie "Warnviereck" lässt sich auch auf andere Lebensbereiche übertragen. Denkbar wäre eine Serie zum Thema Tierhaltung für Fleischproduktion. Die abschreckenden Bilder der Tierschützer bauen eine Barriere der Kommunikation auf, die durch intelligente Sprüche durchbrochen werden könnte.

Eine Forschungsfrage des Projektes ist es, zu hinterfragen, ob universelle Gestaltungsvorlagen jemals funktionieren können, oder ob die Gestaltung - entsprechend ihrer an Meistern orientierten Lehre - immer ein individueller Prozess der Kreativität und Kommunikation ist, welcher stets einmalige Kommunikationsprodukte hervorbringt.

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